25 Jahre SPD Nebra – eine Freundschaft bleibt lebendig

Dem Bankrott der DDR und dem beispiellos friedlichen Umbruch von Politik und Gesellschaft Mitteldeutschlands folgte auch in der kleinen Stadt Nebra am 16. Januar 1990 die Gründung eines SPD-Ortsvereins. Seitdem ist die Plattlinger SPD über die von Altbürgermeister Siegfried Scholz vermittelte Städtefreundschaft mit Nebra und der hiesigen Sozialdemokratie verbunden. So fuhr auch zum 25. Jubiläum eine Abordnung aus Plattling in den Burgenlandkreis nach Sachsen-Anhalt. Hierüber berichtete der Ortsversitzender in der Monatsversammlung der SPD.

Festabend im Neuen Schloss
Die gegenseitige Freude war groß, als sich im Hubertuszimmer des Schlosshotels die leider kleiner gewordene Schar der Nebraer mit Herbert Petrilak-Weissfeld, Sabine Liebhaber und Georg Weiß trafen, die als Vorsitzender, Kassierin und Beisitzer die Plattlinger SPD vertraten. Der Landtagsabgeordnete und SPD-Kreisvorsitzende Rüdiger Erben hielt bei seiner Laudatio auf die wacker verbliebenen Nebraer Genossinnen und Genossen bewegte Rückschau auf die Zeit seit der Wende, die den Städten und Gemeinden Sachsen-Anhalts insbesondere durch den Schwund der Bevölkerung wiederholte Strukturreformen abnötigte. Die daraus entstandene Bildung von Einheitsgemeinden und Verbandsgemeinden schränkte die Arbeit und Wirkungsmöglichkeiten lokaler Gremien kleinerer Städte und Gemeinden stark ein, was zur Verdruss und Rückzug vieler ehemals aktiver Bürger führte.

Georg Weiß hob in seinem Grußwort die Besonderheit der seit 25 Jahre anhaltenden Freundschaft zwischen den beiden SPD-Ortsvereinen hervor, die sich als einzige noch lebendig zeigt zwischen den befreundeten Städten Nebra und Plattling. „Es kann nur gut sein, dass der merkwürdigste Bürgermeister den ich kenne, bei der kommenden Kommunalwahl hier nicht mehr antritt.“ Falko Breuer, der Vorsitzende der SPD Nebra hat die Geschichte seines Ortsvereins in Filmaufnahmen dokumentiert und führte sie als Zusammenschnitt vor: Im Tageschauformat reihten sich die Szenen der örtlichen Aktivitäten zu einem fröhlichen Bilderbogen. Auch Plattlinger Szenen waren oftmals zu sehen, und man lachte gemeinsam über die schönen und lustigen Erinnerungen.

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(Von links:) Stefan Will, SPD-Regionalgeschäftsführer; Arno Krause, Bürgermeister von Waldstett; Rüdiger Erben, SPD Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter; Peter Heller, Gemeinderat Nebra; Herbert Petrilak-Weissfeld; Sabine Liebhaber; Falko Breuer, Vorsitzender SPD Nebra und Verbandsgemeinderat; Karl-Heinz Vogt, Kassier SPD Nebra

Von völkischer Verkrampfung zur seriösen Wissenschaft
Am nächsten Tag stand das Besucherprogramm auf der Tagesordnung. Erste Station war das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, das einstmals erstes seiner Art in ganz Deutschland. Es geht zurück auf die in 1819 erfolgte Gründung des “Thüringisch-Sächsischen Vereins für Erforschung des vaterländischen Alterthums und Erhaltung seiner Denkmale" mit Sitz in Naumburg. Der 1913 fertig gestellte, heute vor allem klobig wirkende, damals jedoch als „germanische Architektur“ gefeierte Bau, sollte dem römischen Erbteil deutscher Geschichte einen mindestens gleichwertigen germanischen entgegensetzen. Heute jedoch befasst sich das Museum nicht mehr mit völkischen Verkrampfungen. Es hat vor allem die Sicherung und Deutung vorgeschichtlicher Fundstücke zur Zielsetzung, also die Erforschung jener Zeiten, als Schrifttum noch kein Bestandteil der einheimischen Kultur war.

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Wand der Faustkeile: Mitteldeutschland war aufgrund der schon immer hohen Fruchtbarkeit seiner Böden seit je ein bevorzugter Siedlungsraum. Die Ausstellung zahlloser Faustkeile belegt die frühe, intensive Besiedlung der Schwarzbodenlandschaften in Sachsen-Anhalt.

Weltkulturerbe Himmelsscheibe
Im Museum ist heute auch die weltberühmte „Himmelsscheibe von Nebra“ ausgestellt. Ein Artefakt der Bronzezeit, das die sowohl die weit entwickelten astronomischen Kenntnisse in der Region, aber auch die weitreichen Handelsbeziehungen belegt. Das Kupfer der Bronze stammt aus dem Salzkammergut, das Gold der Applikationen kam aus dem englischen Cornwall.

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Himmelsscheibe von Nebra (Copyright: LDA Sachsen-Anhalt)

Expertise auch für die Neuzeit
Da das Museum der Vorgeschichte ein Institut des Landesamtes für Denkmalpflege ist, gehört zu den Aufgaben der Experten des Museums auch die Sicherung von Funden jüngere Geschichte. Die Besuchergruppe aus Nebra erhielt Einblick in die Restaurationsabteilung des Landesmuseums, wo sie vom Leiter, Dr. Heinrich Wunderlich fachkundig in die aktuellen Projekt der wissenschaftlichen Werkstätte eingeführt wurde. Aus zahllosen Glasscherben werden jene Vorläufer moderner Laborgeräte rekonstruiert, mit den Alchimisten das Geheimnis der Golderzeugung aus minderen Stoffen zu ergründen versuchten.

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+Dr. Wunderlich (rechts) erklärt die „Alchemistenscherben“+

Nackt verscharrt im 30-jährigen Krieg
Aber auch die Sicherung und Erforschung von Bodenfunden aus dem Dreißigjährigen Krieg sind Gegenstand der Restauratorenarbeit. Bei Lützen fand jene Schlacht statt, in der der Schwedenkönig Gustav-Adolf im Kampf gegen Wallensteins Truppen der kaiserlich-katholischen Liga tödlich verwundet wurde. Hier wurde ein Massengrab aufgedeckt, in dem 47 Gefallene verscharrt wurden. Von 40.000 Soldaten ließen binnen sechs Stunden 6500 ihr Leben. Aufgrund des Fehlens jeglicher textiler Überreste und Metallteile in dem Massengrab, außer den in Knochen steckenden Gewehrkugeln und einer Messerklinge, besteht die Vermutung, dass die Gefallenen nicht von überlebenden Angehörigen ihre Truppen, sondern von den auf das Schlachtfeld zurückgekehrten, besitzlos gewordenen Dörflern restlos ausgeplündert und verscharrt wurden.

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Konserviertes Massengrab von Lützow. 3. v.l. Dr. Wunderlich, rechts Georg Weiß

Echo der Vorzeit
Der sich anschließende Besuch der Kreisgrabenanlage bei Goseck im Burgenlandkreis führte die Genossen und Genossinnen aus Nebra und Plattling zurück in die mittlere Steinzeit. Diese der Kultur der Schnurbandkeramiker zugerechnete Anlage ist etwa 6900 Jahre alt, und damit eines der ältesten, wenn nicht das älteste Sonnenobservatorium der Welt. Dessen Palisadenwandöffnungen waren nach dem astronomischen Meridan und den Richtungen des Sonnenauf- und Untergangs der Wintersonnenwende ausgerichtet, so wie die heutige Rekonstruktion. Ditmar Luther aus Nebra, der schon einige Male Führungen in Plattling und Umgebung genoss, demonstrierte die akustische Eigenheit der Anlage: Ein Redner, im Zentrum der Anlage stehend und sprechend, wird auch bei gedämpfter Stimme im ganzen Rund gehört. Vor dem offenen Zugang der Ringanlage sind jedoch die Worte unverständlich. Räumliche Geschlossenheit, Ausrichtung nach der Sonne und akustische Besonderheit lassen darauf schließen, dass die Anlage ein zentraler Ort kultischer Feierlichkeiten war. Da kann nicht verwundern, dass die Anlage heute nicht nur besichtigt, sondern auch zu szenischen Darbietungen mit vorgeschichtlich Kostümierten genutzt wird.

Genussreicher Abschied
Zum Abschluss des hochinteressanten Tages führte Arno Krause, der ehrenamtliche Bürgermeister von Waldstetten, die Gruppe zum Kaffeplausch in seine Gemeinde, ins „Moness“. Ein besonderes Kaffeehaus mit hauseigener Rösterei, Restaurant und Hotel. Das ungewöhnliche Betriebskonzept und das einzigartige Ambiente des Hauses mit seiner Schaurösterei, riesiger Terrasse und schattigem Garten, beschert seinem Inhaber 365 Umsatztage im Jahr. Am Ende eines zu kurzer Besuchs mit prallem Programm waren sich Nebraer und Plattlinger einig: „Scheen wars!“