Christian Ude ging als designierter Ministerpräsidenten-Kandidat der SPD auf Niederbayern-Tour

Christian Ude ist Oberbürgermeister von München. Und er ist der designierte Kandidat der Bayern-SPD für das Amt des Ministerpräsidenten bei der Landtagswahl 2013. Als OB verkörpert er eine der erfolgreichsten Metropolregionen Europas. Aber kann so einer auch ländlichen Raum?

Dass er das kann, das wollte Ude gestern jedenfalls bei seinem Niederbayern-Besuch unter Beweis stellen - eben jener der Region, in der das Thema Zukunftsrat auf ganz besonders große Ablehnung gestoßen ist. Udes Zauberformel die zumindest einmal den Wahlkampf überstehen muss: Es geht nicht um ein Gegeneinander von Metropolregion und ländlichem Raum, sondern um ein „Land im Gleichgewicht", eine „Balance“.

Die CSU hat das auf den Slogan „Stadt und Land - Hand in Hand" gebracht und will am liebsten nicht mehr über das Thema Zukunftsrat reden. Ude schon. Politik hat eine gestaltende Aufgabe, nicht den Nachvollzug von Interessen des Kapitals", befindet er unter Hinweis auf die Zusammensetzung des Zukunftsrates. „Die Zugkraft der Metropolen gibt es weltweit, das kann man dem politischen Gegner nicht anlasten“, wettert Ude in Plattling vor rund einhundert sozialdemokratischen Kommunalpolitikern. Aber die Frage ist, ob ich den Prozess zur Kenntnis nehme und mich dem beuge. Das hat der Zukunftsrat gemacht." Intelligenter sei es, befindet Ude, sich zu fragen, was die Menschen in den Städten und dem ländlichen Raum wollten - und diese Entwicklung dann zu steuern, zu gestalten.

Freilich sei die Forderung nach gleichwertigen Lebensbedingungen „leichter gesagt als getan", es gebe keine Patentlösungen – eben so wenig wie er als Münchner OB eine Vision für Niederbayern habe, wie er beim Mittagessen mit zahlreichen niederbayerischen Journalisten in Deggendorf freimütig bekannte. Aber durchaus gebe es Instrumente, die die Prosperität des ländlichen Raums erhöhten: Eine bessere Infrastruktur, Breitband-Internet, Erhalt der wohnortnahen Schulen (der Regener Landrat Michael Adam (SPD) brachte es auf den Punkt: "Wenn Du einer Kommune die Schule zusperrst, dann machst Du den Bürgermeister zum Insolvenzverwalter"), öffentlicher Personennahverkehr (Ude: ..öffentliche Daseinsvorsorge rechnet sich bei schwacher Nachfrage nicht - aber sie ist eine staatliche Aufgabe"), Behördenverlagerungen, die Gründung von Fachhochschulen im ländlichen Raum (Ude: die müssen nicht alle in die Städte mit den sündhaft teuren Mieten).

Überhaupt München: Ude verwendete viel Zeit darauf, klar zu machen, dass München auch Nachteile habe, dass der "Stress des zu schnellen Wachstums die Vorteile der wirtschaftlichen Prosperität überwiege": Knapper Wohnraum, teure Mieten, hohe Lebenshaltungskosten, verkehrliche Überbelastung. Da war sie wieder die "Balance", die Feststellung, dass es Stadt und Land besser gehe, wenn die Zukunft nicht allein in den Städten stattfinde. "Junge Menschen wollen nicht zum Wegzug aus dem ländlichen Raum gezwungen werden, sie wolle Zukunft dort, wo sie sind. Man darf keinem Landesteil die Zukunft absprechen." Patsch! Nochmal eine Schelte für den Zukunftsrat.

Als Referenten des Konmunalpolitiker-Treffens waren neben dem Regener Landrat Adam auch die Landtagsabgeordnete Johanna Werner-Muggendorfer (SPD) und der Dingolfinger Landrat Heinrich Trapp (SPD) geladen, und daneben auch die örtlichen Wirtschaftskammern: Alexander Stahl von der Geschäftsleitung der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz, und Walter Keilbart von der lndustrie- und Handelskammer Niederbayern. Und Keilbart las den Genossen ordentlich die Leviten, von der früheren Blockade der A94 bis hin zum Nein beim Donauausbau, wo es doch möglich sein müsse, zumindest die Untersuchungsergebnisse abzuwarten, ehe man gegen das Projekt wettert. Waffenstillstand bis Jahresende, signalisierte Ude, bekennender Donauausbau-Gegner. Am Rest der Keilbad-Ausführungen, dass Wirtschaft eben einmal Grundlage des Daseins sei (Keilbart sinngemäß: Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts) und als solche bei den Genossen weniger Ablehnung finden solle, hatte Ude durchaus nichts auszusetzen.

Am Abend zeigte Ude dann in der Dingolfinger Stadthalle noch ein weiteres Talent neben dem des Münchner Oberbürgermeisters und geschickten Rhetorikers: Er las aus seinen zahlreichen Büchern sehr zur Unterhaltung des Publikums.

Vollbesetzter Saal

Vollbesetzt war der Festsaal im Plattlinger Preysinghof, wo Christian Ude (großes Foto) - flankiert von Johanna Werner-Muggendorfer und Michael Adam - mit SPD-Kommunalpolitikern zur ldeenfindung für eine Zukunft des ländlichen Raums zusammen gekommen war.

Unter den Ehrengästen: Reinhold Perlak (MdL), Bernhard Roos (Mdl), Rita Röhrl (Bgm), Rita Hagl und Christian Fliesek (stellvertretende Bezirksvorsitzende), Ewald Straßer (Kreisvorsitzender), neben vielen Kreis- und Stadträten alle Plattlinger Stadträte.

Fotos: Petrilak