Dauerhafter als unsere Erinnerung

Seit 1892 ist die Sozialdemokratie in Plattling heimisch. Diese Tradition wurde im Preysinghof festlich gefeiert, und das Festjahr „den großen Vier“ gewidmet.

Hierzu konnte Herbert Petrilak-Weissfeld, Ortsvereinsvorsitzender seit April 1998, als Festredner den niederbayrischen Bezirksvorsitzenden und Regener Landrat Michael Adam begrüßen, den „ neuen Stern des Bayrischen Waldes“. Daneben den stellvertretenden Bezirksvorsitzenden Peter Stranninger , sowie die Unterbezirksvorsitzende Rita Hagl, den Kreisvorsitzenden Ewald Straßer, und auch den ersten Bürgermeister Erich Schmid als Ehrengäste und Grußwortredner.

Gastredner und Ehrengäste

Gastredner und Ehrengäste von links: SPD-Kreisvorsitzender Ewald Strasser, Kreis- und Stadtrat Georg Weiß, AWO-Vorsitzende und Verdienstordenträgerin Gertrud Kuhnke, SPD-Unterbezirkvorsitzende Rita Hagl, Kreisrat Ambros Pronold, Stellvertretender SPD-Bezirksvorsitzenden Peter Stranninger, SPD-Ortsvorsitzender Herbert Petrilak-Weissfeld.

Beginn der Sozialdemokratie in Plattling

„Mit der Eisenbahn kam 1860 der Anschluss an die Industriezentren Bayerns, hunderte Eisenbahner bildeten hier das Industrieproletariat, aus dem die Sozialdemokratie entstand“, leitete Petrilak-Weissfeld seinen geschichtlichen Abriss ein. Mit einer winzigen Anzeige im damaligen Isarboten, erschien am 2. Juli 1892 das erste Lebenszeichen: „Bei dem kürzlich zu Regensburg abgehaltenen 1. Sozialistischen Parteitag war auch Plattling vertreten.“ Somit konnte der Plattlinger Ortsverein im selben Jahr Jubiläum feiern wie der SPD-Landesverband. „Die Sozialdemokratie erlebte das Kaiserreiche und die Sozialistenverfolgung, dessen Zusammenbruch und das Aufblühen der Weimarer Republik, und auch deren Verderben im menschenfressenden Hitlerismus mit bittersten Finale“, erinnerte der Ortsvereinsvorsitzende an die schwersten Jahrzehnte der Sozialdemokratie. Dabei wurden die meisten schriftlichen Zeugnisse vernichtet, erst seit 1946 liegen wieder lückenlose Aufzeichnungen vor.

Die großen, unvergessenen Vier

„Josef Niebauer war damals der der erste Ortsvereinsvorsitzende und wurde 1948 erster SPD-Bürgermeister. In seiner Zeit entstanden mit dem Kanal, dem Bau der Zuckerfabrik, der Realschule und dem Schulpalast an der Preysingstraße erstmals städtische Strukturen“, lobte Petrilak-Weissfeld Niebauers 18 Jahre Amtszeit.

Der zweite „Unvergessene“ ist Josef Dittmeier, der einstige Betriebsrat und Personalrat der Eisenbahner, der 16 Jahre Stadtrat und Bezirksrat, acht Jahre Kreisrat und acht Jahre Mitglied des bayrischen Landtags war. Ddessen Motto „Ich bin jederzeit für jedermann und ohne Rücksicht auf die Parteischattierung zur Hilfe bereit“, sei bis heute noch bei vielen älteren Plattlingern und darüber hinaus in bester Erinnerung.

Mit: „Er war das festeste Glied des der Plattlinger Sportwelt zum Stadtrat, mit jahrzehntelangem Einsatz als aktiver Sportler und Vereinsvorsitzender. Mit 32 Jahren SPD-Mitgliedschaft, den 25 Jahren seiner Arbeit als Stadtrat und 12 Jahren Arbeit als Kreisrat, ist sein Weggang ein schwerer Verlust“, gab Petrilak-Weissfeld der anhaltenden Trauer um den weitum beliebten Genossen Günther Stadler Ausdruck. Doch habe er auch mit seiner beruflichen Tätigkeit als Werkleiter eines Betonwerkes viele dauerhafte Spuren hinterlassen.

Der ebenfalls heuer verstorbene Altbürgermeister Siegfried Scholz ist der vierte „Unvergessene“, dem das Festjahr gewidmet wurde: Er war 41 Jahre SPD-Mitglied, 24 Jahre im Stadtrat, zwölf Jahre Kreisrat und zwölf Jahre Ratshauschef. „Er ist der große Baumeister unsrer Stadt, in allen ihren Teilen ist sein Wirken allen Plattlingern dauerhaft sichtbar. Die Zeugnisse dieses Wirkens bleiben bestehen, wenn unser aller Gedächtnis hier aus der Welt ist“. Die Versammelten erhoben sich zum Gedenken an diese großen Sozialdemokraten.

Die Gratulanten

„Unser Herz schlägt links“, bekannten Inge Slowik und Thomas Müller vom SPD-Ortsverein Stephansposching, und übergaben dem Vorsitzenden ihres Patenvereins zum Jubiläum zwei Körbe voller Lebkuchenherzen. Sie bedankten sich damit für die überaus gute Zusammenarbeit der beiden Ortsvereine und gaben ihrer Freude auf die nächsten gemeinsamen Unternehmungen Ausdruck.

Als Kreisvorsitzender dankte auch Ewald Straßer den Plattlinger Genossen für die engagierte Arbeit die heute wie vor 120 Jahren in Plattling gelebt wird. Immer gehe es dabei um die einfachen Grundsätze Vernunft, Klarheit, Verlässlichkeit und Gerechtigkeit. „Wer von außen auf die Stadt schaut, stellt sich immer eine wirtschaftlich starke und gleichwohl solidarische und liberale Stadt vor. Dass über Jahrzehnte solch ein Bild von Plattling in den Herzen und Köpfen der Bürgerinnen und Bürger entstanden ist, daran haben Generationen von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten mitgewirkt.“ Dafür gelte es heute Dank und ein herzliches „Vergelt's Gott“ zu sagen.

Die Unterbezirksvorsitzende Rita Hagl ist als Gymnasiallehrrein im Fach Geschichte auch bestens mit der Geschichte der Sozialdemokratie vertraut: „Anders als andere musste die SPD ihren Namen nie ändern. Nie zettelte sie einen Krieg an, nie übte sie Diktatur aus, oder war sie Teil davon.“ Waren es in Plattling die Eisenbahner, so waren es im Bayrischen Wald die Steinmetze, die Holzhauer und die Glasbläser, die dort die bestimmende Rolle für die Sozialdemokratie gebildet hätten. Doch die Ziele sind bis heute gemeinsame. Auch Hagl dankte den Plattlinger Genossinnen und Genossen für ihren Einsatz, besonders auch für den, der freifließenden Donau gilt.

Es lohnt sich, weiter zu kämpfen

Michael Adam und Herbert Petrilak-W

Michael Adam und Herbert Petrilak-W (Bild: PNP)

Schließlich trat der Festredner ans Adam Michael ans Pult und stellt wiederum sein Talent unter Beweis in seltener Eintracht von Wissen, Charme und schonungsloser Offenheit sein Publikum zu begeistern. „Es ist nicht Aufgabe in romantischen Erinnerungen zu verfallen, dazu war es zu alten Zeiten einfach zu schwer Sozialdemokrat zu sein.“ Doch darf man auch nicht vergessen, wer den 10-Stunden-Arbeitstag, das Frauenwahlrecht und die Fünf-Tage-Woche durchgesetzt habe. Auch nicht, wer die Verkrustungen des jahrzehntelangen kalten Krieges mit einer neuen Ostpolitik in Moskau, Warschau und Berlin aufgebrochen hatte. „Es war Willy Brandt, der mein Interesse für die Politik weckte, und dessen Ideen mich bis heute daran fesseln,“ bekannte der Jungpolitiker. Vergessen dürfe man auch nicht, dass es die umstrittene Nachrüstungspolitik des heute zur Stil-Ikone gewordenen Helmut- Schmidt war, mit der letztlich das Wettrüsten beendet wurde.

„ Es lohnt sich auch heute für die Sozialdemokratie zu kämpfen. Auch wenn dies manchem Sozialdemokraten mit Peer Steinbrück heute so schwerfällt, wie wenigen mit Helmut Schmidt zu dessen Zeiten. Klare Kanten und Aussagen haben aber den Vorteil, dass man weiß wo einer steht. Das ist wichtig in der Politik.“ Dazu sei es auch nötig, dass jeder Genosse der kann zum Parteitag nach Berlin fahre, um ein fundiertes Programm zu bekommen.

„Bayern steht gut da, das muss man nicht kleinreden. Aber das heißt nicht, dass man nicht vieles noch besser machen könnte.“ So habe es Christian Ude hat wunderbar wiederlegt, dass Sozialdemokraten nicht mit Geld umgehen könnten. Obwohl der Münchner OB viel Geld investierte, habe die Stadt nicht mehr Schulden als zu Beginn seiner Amtszeit. Einem Wahlsieg für das oppositionelle Dreierbündnis aus SPD, Grüne und Freie Wähler sieht Adam jedoch skeptisch. „Aiwanger ergeht sich derart landauf landab in populistischen Polemiken gegenüber allem und jeden, dass sich Landtagsabgeordnete der Freien Wähler schon dafür schämen.“

Zu den größten Aufgaben der Politik der Gegenwart gehören für den Regener Landrat die beständig steigenden Ausgaben für die Jugendhilfe, und dass an immer mehr Schulen Sozialarbeiter gebraucht werden. „Wir sind auf dem Weg in die Zwei-Klassen-Gesellschaft.“ Hier sei die SPD besonders gefordert. Michael Adam wurde unter grpßen Applaus zu seinem nächsten Termin verabschiedet, den er noch am selben Abend bei den Grünen seines Landkreises vor sich hatte. Ortsvereinsvorsitzender Petrilak-Weissfeld gab dem entspannt Eiligen eine frische Wegzehrung aus dem Jungen Isar-Bräu mit auf dem Weg. „Mit zwei Liter Bier in der Flasche kann man doch problemlos fahren.“

Das Stadtoberhaupt grüßt mit Anerkennung

Auch erster Bürgermeister Erich Schmid, der aufgrund der Einweihung der neuen Krippe an der Josef-Dittmeier-Straße erst kurz vor Beginn der Festrede Adams zur Versammlung stieß, erwies der Geschichte der Plattlinger Sozialdemokratie seine Referenz. „Gewiss steht die Errichtung der Gleisverbindungen und des Bahnhofes, die darus folgende städtische Entwicklung und die Geschichte und Erfolge der Sozialdemokratie in einem engen Zusammenhang.“ Er wünschte und freue sich auf eine weitere konstruktive Zusammenarbeit trotz gelegentlich verschiedener Sichtweisen. Dies bestätigte ihm Ortsvereinsvorsitzender und Stadtrat Petrilak-Weissfeld gerne. „Auch wenn es zu verschiedenen Themen unterschiedliche Vorstellungen gibt, so wird doch immer wieder spürbar, dass es jeder Seite in bester Absicht um die beste Lösung geht.“

Bei einem zünftigen Abendessen bei schmissiger Musik aus der „Diatonischen“, gespielt vom überaus talentierten Johann Zitzelsberger aus Mimming, Gymnasiast in Niederalteich, klang der festliche Abend gemütlich aus.

Die weitere Gästeschar

Als Gäste wurden ebenfalls herzlich begrüßt: Gisela Scholz, Witwe des Altbürgermeisters, Gabriele Kaulich, Lebensgefährtin von Günther Stadler, die AWO-Vorsitzende und Verdienstorden-Trägerin Gertrud Kuhnke, die Kreisräte und Stadträte Georg Weiß (Träger der Willy-Brandt-Medaille) und Ambros Pronold (Träger der Georg-von-Vollmar-Medaille), Stadtrat Reinhold Leuschner von den Freien Wählern, Peter Begert vom VdK, Hans Ebner vom Landwirtschaftlichen Hilfsverein, Martin Halser von der BRK-Wasserwacht, Josef Froschauer vom MSC, sowie Stadträtin Heidi Werner, Stadtrat Reinhold Gems und die ASF Vorsitzenden Sabine Liebhaber. Zu den zahlreichen Gästen zählten auch die Vorsitzenden und Delegationen umliegender SPD-Ortsvereine.