Ein Nachruf. Und zwei Blamagen

Egon Bahr: Im Alter von 93 Jahren ist der große Sozialdemokrat gestorben. (© Caro/Bleicker)

„Er ist der wahre Architekt der deutschen Ostpolitik“, würdigte Georg Weiss, Fraktionsvorsitzender der SPD, den vor kurzem verstorbenen Egon Bahr in deren kürzlich abgehaltenen Mitgliederversammlung. Als Botschafter, als Abgeordneter, als Staatssekretär im Bundeskanzleramt, als Minister für besondere Aufgaben, als Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und dann Bundesgeschäftsführer der SPD, war Bahr vor allem eines: Vordenker und Initiator der neuen Ostpolitik Willi Brandts.

Annäherung durch Wandel und eine Politik der kleinen Schritte führte zu einem vereinten Deutschland und zu einem versöhnten Europa. „Sozialdemokraten wie er fehlen uns heute. Mit Humanisten wie ihn gäbe es keine Waffenlieferungen in Kriegsgebiete“, beendete Weiß seine Referenz an einen der großen Männer der Bundesrepublik.

Gelingende Integration
Natürlich war auch das derzeit drängendste Thema, die gegenwärtige massive Zuwanderung von Flüchtlingen, ein Anlass zur Diskussion. Stadtrat und Ortsvereinsvorsitzender Herbert Petrilak-Weissfeld, informierte über die seit einigen Wochen bestehende Gruppe „Flüchtlingshilfe Plattling“ und ihre Aktivitäten zur Unterstützung der Betreuer der unbegleiteten Minderjährigen aus Afghanistan und Syrien im Wohnheim Plattling. „Die Gruppe wird immer größer, und die Integration der Buben schreitet gut voran. Vor allem die Analphabeten unter ihnen machten riesige Fortschritte, und sind nun sehr stolz, dass sie deutsch schreiben und lesen können“. Drei davon bewährten sich gegenwärtig in Praktikumsstellen, und weitere Angebote liegen schon vor. Diese erhielt Petrilak-Weissfeld anlässlich einer Tagung des niederbayrischen Unternehmernetzwerkes „R.U.N.N e.V.“ in Deggendorf, zu der er durch den Vorsitzenden Bernhard Seuß eingeladen wurde.

Eine Referenz an Angela Merkel
„Ihr wisst, dass ich unserer Bundeskanzlerin nicht sehr nahe stehe, aber für das was sie vor kurzem gesagt hat, hat sie meinen vollen Respekt“, schloss sich Georg Weiss dem Thema an und bezog sich damit auf die Aufsehen erregende Reaktion Angela Merkels zur Kritik an ihre Haltung gegenüber Flüchtlingen: "Ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land." Demgegenüber ist für Georg Weiß das Treiben der CSU eine politische Scharfmacherei und Schweinerei. Mit den Stichproben an den Grenzkontrollstellen komme keine einziger Flüchtling weniger, und ihre Gesprächseinladung an den gegenüber Flüchtlingen rabiaten ungarischen Ministerpräsidenten sei der Gipfel.

Blamage #1 -Die Neuen entäuschen
Nochmals tief enttäuscht zeigte sich der nach Dienstjahren älteste Stadtrat über die Ablehnung der Vorschläge der Planer zur Überarbeitung der Grünzüge im Regionalplan durch die neue Mehrheit im Stadtrat. „Es ist ein unmöglicher, nie da gewesener Vorgang, dass ein Stadtrat gegen seinen eigenen Antrag bei einer übergeordneten Behörde stimmt. In blindem Vertrauen und Unkenntnis folgten die neuen CSU-Räte der Linie des ersten Bürgermeisters Erich Schmid. Das ist eine nachträgliche Riesenwatsche auch für die nach der letzten Wahl ausgeschiedenen Stadträte der CSU, die sich für das Vorhaben der Firma Zizler einsetzten.“ Doch auch wenn der Planungsverband dennoch den strittigen Grünzug bei Schiltorn aus dem Regionalplan nähmen, würde die neue Mehrheit gegen eine entsprechende Änderung des Flächennutzungsplanes und einen Bebauungsplan der Firma Zizler stimmen. Dafür werde der erst Bürgermeister weiter sorgen.

Blamage #2 - Verpfuschte Planungen
„Wir haben es für unmöglich gehalten, und wurden dafür verlacht. Nun sind bald zwei Jahre vergangen, bis das Dach am Magdalenenplatz fertig wird, zu gewiss nicht den geplanten Kosten“, kam Weiss auf ein anderes Plattlinger Ärgernis zu sprechen. Dabei musste es im Februar letzten Jahres eigentlich jedem klar gewesen sein, dass binnen fünf Monaten eine völlig neue Dachkonstruktion nicht hergestellt werden kann. „Doch wir waren mal wieder die Miesmacher, die am Ende doch wieder recht behalten“.

Überdachung Magdalenenplatz
Weder im Zeitplan, noch im Kostenplan. Weder grazil, noch transparent. Das Dach hält nicht, was die Planer versprachen. Bild: HPW

Wenig spektakulär, jedoch sichtbar nützlich
Aber es gebe ja nicht nur ärgerliches zu berichten, sagte Weiss, überaus positiv sei die sichtbare Instandsetzung zahlreicher städtischer Straßen, die aufgrund des Antrages der SPD erfolgt, das jährliche Deckenbauprogramm von 250.000€ auf 400.000€ zu erhöhen.

(Titelbild: Egon Bahr - Im Alter von 93 Jahren ist der große Sozialdemokrat gestorben. vorwärts.de © Caro/Bleicker)