"Ich fühle mich schon etwas enttäuscht

Hauptthema in der Monatsversammlung der SPD war der Besuch des Plattlinger Stadtrates in der Goldsteig-Molkerei in Cham. Hochfliegende Erwartungen an den von der Molkerei- Genossenschaft in Plattling angekündigten Neubau eines modernen Werkes stehen aufgrund aktualisierter Planungen nun deutlich magere Fakten gegenüber. Auch der unnötig langsame Fortschritt bei fast allen Bau- und Entwicklungsprojekten in der Stadt, und insbesondere die enormen Kosten der anhaltenden Zerstörungen an den Aufzügen zum Eisernen Steg ist der SPD ein Ärgernis.

Goldsteig wird die Kläranlage nicht belasten
Erster Vorsitzender und Stadtrat Herbert Petrilak-Weissfeld berichtete der Versammlung über den Rundgang der zahlreichen Mitglieder des Stadtrates und des Gemeinderates aus Stephansposching in nahezu allen Bereichen des großen Milchwerkes. In dem großen Standort mit über 500 Beschäftigten werden weitgehend vollautomatisch vor allem Hart-, Schnitt- und Reibekäse, aber auch Mozarella aus der Milch von den etwa 3500 genossenschaftlichen Milchbauern verarbeitet. Der Hauptgeschäftsführer, Herr Dipl. Kfm. Andreas Kraus, und der Vorsitzende des Gesellschafterausschusses, Herr Josef Vielreicher, nahmen sich die Zeit, sowohl während des Rundgangs, als auch in der sich anschließenden Gesprächsrunde allen Fragen der Besucher zu stellen. Petrilak-Weissfeld dankte dem Fraktionsvorsitzenden Georg Weiß für seinen Antrag der diesen Besuch ermöglicht hatte, und dadurch nun der aktuelle Stand der insbesondere für Plattling wichtigen Frage der Abwasserbehandlung geklärt ist. Denn das reduzierte Ausbaukonzept soll nach Übereinkunft der Planer und der Stadtwerke nicht dazu führen, dass über die aus anderen Gründen ohnehin geplante Aufrüstung der Kläranlage weitere, die Allgemeinheit belastende Erweiterungen, nötig werden.

Zu anderen Aspekten des interkommunalen Projektes nahm Georg Weiß Stellung: „Ich fühle mich aber schon etwas enttäuscht, dass die euphorische Ankündigung von 200 neuen Arbeitsplätzen für Plattling sich nicht bestätigt. Es werden im neuen Werk, in dem künftig Butter und Dünnmilchkonzentrat hergestellt werden, nun deutlich unter hundert sein.“ Im tue es weh, dass die in Plattling seit Jahrzehnten bestehende Molkerei aufgrund nachlassender Nachfrage nach den dort hergestellten Weichkäsesorten mittelfristig die Arbeitsplätze wegfallen werden. Da dieser Standort nicht zeitgleich mit dem Neubau, sondern erst Jahre später geschlossen werden wird, werden nur wenige der Beschäftigten im neuen Werk angestellt werden können. Nur wenige weitere werden das Angebot annehmen können in Cham weiter bei Goldsteig zu arbeiten, denn der Arbeitsweg dahin ist lang. Immerhin gebe es gesetzliche Regelungen zu Altersteilzeit und Abfindungen, und der Arbeitsmarkt ist voraussichtlich stabil genug, weiterhin die meisten Arbeitsuchenden aufzunehmen.

Musikschule: "Jeder Euro ist gut angelegt
Ein großer Erfolg ist für Georg Weiß die Entwicklung der städtischen Musikschule im prächtigen Neubau mit nun 370 Schülern fast jeden Alters. Auch sie zeige, dass in Plattling auf musikalische Bildung großer Wert gelegt wird. Doch andererseits steige mit jedem weiteren neuen Schüler das Defizit. „Wenn man beispielsweise nur einen Schüler für Alphorn hat, ist auch ein Lehrer für dieses Instrument schlicht zu teuer“ Nach teils heftiger Diskussion im zuständigen Ausschuss, sei nun doch eine einvernehmliche Lösung zustande gekommen. Über eine moderate Absenkung der jährlichen Lehrerstunden werde die Entwicklung des unvermeidlich steigenden Defizits zumindest gedämpft.“ Für die SPD ist jeder Euro für die musische Bildung ein gut angelegter Euro.

Endlose Geschichten
Dass der erste Bürgermeister und der Fraktionsvorsitzende der SPD trotz gegenseitiger Wertschätzung keine innige Freundschaft pflegen ist stadtbekannt, doch zurzeit macht es Schmid dem Weiss besonders schwer: „ Bekanntlich bin ich seit Jahrzehnten Verwalter der Grundschule, da hängt mein Herzblut dran, doch unser Bürgermeister ignoriert mich mal wieder.“ Hintergrund: Die Grundschule ist Seminarschule zur Ausbildung von Lehrkräften, soll aber für die Uni Passau nun aufgestuft werden zur Universitätsschule. Dazu sollen im ehemaligen Hausmeisterhaus Gruppenräume für Seminare entstehen, in die entsprechenden Planungen wurde Weiß bisher nicht einbezogen. Noch weiß Weiß nicht, ob dies Absicht oder schlicht Unaufmerksamkeit ist, denn „zurzeit lässt der Bürgermeister anscheinend seinen Job auslaufen. Im Rathaus treffe er ihn nur selten an. Und immer öfter lässt er sich in den Ausschüssen vertreten. Sowas hat es unter Siegfried Scholz nicht gegeben.“ Man müsse sich deshalb auch nicht wundern, dass die Umsetzung von Planungen sich immer länger hinziehen, und nicht zuletzt deshalb immer teurer werden. Zehn Jahre sind es nun geworden, bis der Bau einer Skateranlage begonnen werden konnte, seit mehreren Jahren werde an den Planungen zur Au und die Renovierung des Eisernen Steges gebastelt, und musste nun deren Vergabe aufgrund immenser Kostensteigerung zurückgezogen werden. Und es stelle sich nun heraus, dass trotz Streichungen in der Ausgestaltung des Platzes hinter St. Magdalena der ursprüngliche Ansatz von 1,6 Millionen überschritten wird, dass auch zwei Millionen nicht reichen, und die Kosten schon an die 3 Millionen-Grenze rücken.

Illegal gelagerter Abraum?
Licht und Schatten fand der Fraktionsvorsitzende auch in anderen aktuellen Themen: „Erfreulich ist, dass für den Neubau der Berufsfachschule für Musik und die Sozialpädagogische Akademie nun ein sehr ansehnlicher Planungsentwurf des Büros Gollwitzer&Brunner vorliegt“. Umso mehr ärgerlich sei es, dass erst jetzt auffällt, das der auf dem Planungsgelände gelagerte Aushub vom innerstädtischen Standort der Wurstfabrik Stanglmeier nun nochmals beprobt werden müsse, wie in der letzten Bauausschusssitzung bekannt gegeben wurde. „Meines Wissens haben wir jede Fuhre noch auf dem alten Gelände beprobt. Wenn nicht, dann möchte ich wissen, wer es angeordnet hat, dass Material folglich illegal auf dem Planungsgelände abgelagert wurde.“

Abraum im Nordpark III
Hundskamille, Huflattich und Schmetterlingsflieder sind die markantesten der Pionierpflanzen, die mittlerweile den Abraum besiedeln

"Totalüberwachung oder Abriss"
Richtig wütend zeigte sich jedoch der Fraktionsvorsitzende über die Bekanntgabe von Reparaturkosten im Bauausschuss: „Seit der Fertigstellung der Aufzüge haben Vandalen Schäden in Höhe von 300.000€ an den angeblich vandalensicheren Aufzügen verursacht, heuer kommen weitere 90.000€ hinzu, es kann doch nicht sein, dass nur wir ganz besondere Idioten unter uns haben!“ Doch nach Auskunft der Herstellerfirma im Bauausschuss gebe es angeblich bundesweit keine auch nur annähernd vergleichbaren Schäden, auch nicht an baugleichen Aufzügen. Leider erlaube es die Beengtheit der Stahlkonstruktion der Türme nicht, eine Ausführung von Türen einzubauen die nicht mit Handkraft geöffnet werden könne, was regelmäßig zu Schäden führt: Aufzugstür ausgehebelt. So bleibe nur noch die Wahl zwischen Totalüberwachung mittels technischer Aufrüstung der Video und Lichtanlagen, oder Umbau oder gar Abriss der Türme.

Darüber entspann sich neben Nachfragen auch eine Diskussion über den Ausbau eines unter den Gleisen vorhandenen Betriebstunnel der Bahn. Doch Weiß klärte auf, dass dies bereits geprüft sei, und wirtschaftlich völlig unrealistisch sei, denn die Kosten gingen in die Millionen. All der Ärger mit Terminverzug und Kostensteigerungen könne durch mehr Einsatz und Kontrolle zumindest reduziert werden, befand Stadtratskollege Petrilak-Weissfeld, doch leider gebe es in der Verwaltung keine Projektleitung wie er sie aus eigener beruflicher Praxis kennt.

"Leute, all das ist sehr ärgerlich, doch wenn ich mir heute Europa anschaue, das seit 70 Jahren der Garant für den Frieden ist, dann habe ich jetzt schlicht Angst um seinen Zustand. Brexit-Befürworter in England, Le-Pen in Frankreich, Nationalisten in der Slowakei, in Polen und in Ungarn an der Macht. Und nun auch in der Türkei erleben wir einen Umbruch: Massenverhaftungen, Wiedereinführung der Todesstrafe, Ausreisesperren für Akademiker. Wir haben Grund zu großer Sorge.“

(24.07.2016, Fotos HPW)