IMMER AUF SEITEN DER ARBEITNEHMER

Tag der Arbeit, Maifeiertag oder Kampftag der Arbeiterbewegung. Der 1. Mai ist ein Datum von großer Symbolkraft, die selbst nach über 100 jähriger Geschichte mit Erfolgen und Fortschritten in der Arbeitswelt nicht erloschen ist.

Rene Gomm spricht zum 1.Mai für die DGB-Jugend im Bischofshof, und stellt die nach wie vor bestehende Ausbildungsmisere an den Pranger.

"Der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft wandelt den 1. Mai keinesfalls zu einem reinen Feiertag, sondern stellt uns Gewerkschafter weiterhin vor große Herausforderungen, um weiterhin für eine gerechte Arbeitswelt zu sorgen. Und so gilt es auch für uns DGB-Jugend weiterhin den Tag der Arbeit zu nutzen um Missstände anzuprangern und Forderungen zu stellen.

260.000 junge Menschen sind in der Bundesrepublik Deutschland auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz und 1,33 Millionen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren sind ohne Berufsabschluss. Eine wahre Ausbildungsmisere, an der die rapide Verschlankung eine große Mitschuld trägt, denn nur noch jeder fünfte Betrieb bietet Ausbildungsplätze an – 2009 war es noch jeder vierte. Und selbst die, die eine Lehre absolvieren – liebe Kolleginnen und Kollegen – befinden sich nicht unbedingt in einem gerechten und angemessenen Ausbildungsverhältnis, was uns die Berufsschultour von Jahr zu Jahr bestätigt. Der vor neun Jahren eingeführte Ausbildungsreport zeigt uns, wie Jugendliche ihre Ausbildung erleben und liefern uns Informationen auf direktem Wege, denn die Auszubildenden können sich anonym anhand eines schriftlichen Fragebogens äußern, der uns folgende Ergebnisse lieferte:

  • 27 % sind mit den Verhältnissen ihrer Arbeitsstätte unzufrieden
  • 12 % der unter 18 Jährigen arbeiten länger als 40 Stunden in der Woche
  • 43 % müssen Überstunden ableisten, die zu 16,3% nicht ausgeglichen oder bezahlt werden
  • 34 % haben keinen betrieblichen Ausbildungsplan
  • 12 % müssen häufig oder immer ausbildungsfremde Tätigkeiten ausüben
  • und nur ca. 35 % der Auszubildenden in Bayern werden nach der Ausbildung übernommen. Das liegt immerhin noch über dem Bundesdurchschnitt, denn dieser beträgt nicht mal 30 %.

Dies zeigt uns deutlich, dass der Arbeitgeber im Gegensatz zum Arbeitnehmer unflexibel ist. Anstatt die Ausbildungsmaßnahmen dem demographischen Wandel anzupassen und seine Auszubildenden zu übernehmen, weiterzubilden und als wertvollen Nachwuchs anzuerkennen, setzt er diese vor Tür und klagt dann darüber, ES HERRSCHE FACHKRÄFTEMANGEL. Darauf kann ich nur antworten – liebe Kolleginnen und Kollegen – den Fachkräftemangel braucht der Arbeitgeber nicht beanstanden, denn er verschuldet dies selbst mit seinem Verhalten und daher fordern wir:

  • Verbesserung der gesetzlichen Regelungen im Bezug auf die Ausbildungsgarantie
  • Einhaltung von gesetzlichen Regelungen und Verordnungen sowie Sanktionsmaßnahmen bei Verstößen
  • Eine ganzheitliche und handlungsorientierte Berufsausbildung -Unbefristete Übernahme nach der Ausbildung

Bezüglich unserer Arbeit gibt es aber durchaus Positives zu berichten. In Betrieben in denen eine Tarifbindung herrscht verdienen die Auszubildenden durchschnittlich über 100 Euro mehr, als ein Auszubildender in gleicher Tätigkeit in einem nicht tarifgebundenen Unternehmen. Die Wochenarbeitszeit beträgt meist weniger als 40 Stunden und ist bzgl. der Berufsschule abgestimmt. Desweiteren werden Überstunden mit Freizeit ausgeglichen oder entlohnt und sind für unter 18 jährige tabu. Auch werden die Auszubildenden größtenteils nach ihrer Lehrzeit übernommen – dies beginnt in einigen Institutionen jedoch bereits zu bröckeln. Daher sehen wir uns weiterhin einer Aufgabe verpflichtet, deren Bestätigung wir darin sehen, dass mehr junge Menschen als zuvor Mitglied einer Gewerkschaft sind. Denn die Jugend erkennt, dass es der Gewerkschaft bedarf, um für eine gerechte Arbeitswelt zu sorgen. Und so gilt es weiterhin einem Leitfaden zu folgen, der auch mich in meinen Ausführungen bestätigt. Wie Fritz Schösser einst sagte:
IMMER AUF SEITEN DER ARBEITNEHMER!"

1. Mai2015