"Kunst, Bewegung und Gesellschaft"

1976: Der erste Spielplatz in Plattling

Plattling. Es war einmal und existiert noch heute – die „eminent christliche Tat“ wie Pfarrer Karl Schott das erreichte Ziel beschrieb. Denn im Mai 1977 eröffnete der Kinderspielplatz „Leitenmoos“ seine Tore. Um die Geschichte zu erörtern suchte der Plattlinger Anzeiger das Gespräch zu Plattlings Spielplatzmutter, Heidi Werner.

Von Rene Gomm

Eröffnet wurde der Kinderspielplatz im jetzigen Leitenweg am 21. Mai 1977 – doch die tatsächliche Geburtsstunde erfolgte neun Monate zuvor. Wir schrieben Dienstag, den 21. September 1976, als die Bürgerinitiative „Kinderspielplatz Leitenmoos“ sich gründete und somit Geschichte schrieb.

„Zunächst, im Juli noch, waren wir eigentlich eine sozialdemokratische Frauengruppe, die die Verschönerung der Stadt im Fokus hatte und feststellte, dass es an Spielplätzen fehle“, erwähnt Werner. Aber den sozialdemokratischen Damen sowie den Herren des Ortsvereins war zusätzlich eines klar, „ein Spielplatz habe parteifrei zu entstehen“. Zu den Parteimitgliedern gesellten sich die „Isar-Buam“, der Plattlinger „Moped-Club“ sowie die Sozialpädagogin Gisela Bumberger. Denn auch diese Personen erkannten, dass Bedarf an einem Kinderspielplatz bestehe. So übernahm Siegfried Scholz den Vorsitz, Heidi Werner wurde seine Stellvertretung und Gisela Bumberger verwaltete die Finanzen.

Aber wie schaut eigentlich ein Spielplatz aus ?
Die Initiative war gegründet, doch was nun? „Wie schaut eigentlich ein Spielplatz aus ?“, erwähnt Werner schmunzelnd im Dialog. Und somit kam Ludwig Altmann als Konstrukteur ins Gespräch, welcher den Bau leitete. Es wurden Bücher, Schriften und Fortbildungen genutzt, denn alles sollte dem aktuellen Status der damaligen Zeit entsprechen. Somit konnte die Bürgerinitiative zunächst eine theoretische Ausführung präsentieren und diese enthielt drei Parts – Kunst, Bewegung und Gesellschaft. Angedacht war, dass der Spielplatz mit einem Kleinkinderbereich beginnt, der neben dem Sandkasten, eine Röhre sowie kleine Schaukeln innehatte. Der mittlere Bereich war mit Indianer Zelt, Wachturm mit Rutsche und Marterpfahl dem Abenteuer gewidmet. Im dritten Part war die Geschicklichkeit gefragt und bildete den Bewegungspart am Spielplatz. Zu diesem Konzept fertigte der damalige Apotheker, Klaus Lange, ein Modell an. Dieses wurde am 18. Dezember 1976 unter „phänomenalem Ambiente“, wie Werner es heute noch beschreibt, vorgestellt. „Es war ein eiskalter Abend, doch der Einblick in die Idee konnte die Plattlinger überzeugen und somit nahmen wir gleich 307 Mark Spenden ein“, sagt Werner. Da Geld bei solchen Vorhaben immer benötigt wird, galt es ab nun Geldsammlungen zu starten und somit ging das musikalische Trio Sabine Lange, Gisela Bumberger und Jochen Werner mit ihrer Country- und Westernmusik auf Tour. Dieses Trio unterhielt sämtliche umliegenden Vereine musikalisch bei deren Veranstaltungen. Neben den eingenommenen 4 500 Mark für den geplanten Spielplatz kreierte das Trio sogar ein eigenes Lied, welches den Weg beschrieb und begleitete.

Die Sponsorengelder reichten nicht
Bereits im Februar 1977 erstellte die Firma Niebauer die Gerätehölzer und stiftete diese vorläufig, denn der Bau begann erst im April. Siegfried Scholz war nicht nur der aktive Vorsitzende, sondern auch der Lagerhalter sämtlicher Utensilien. „Das Haus von Siegfried war eigentlich besetzt. Aber es ist halt direkt daneben“, erwähnt Werner lachend. Denn im Hause Scholz wurde nicht nur alles gelagert, sondern auch die tägliche Pause abgehalten. Während der Bauphase stiftete die Firma Dangl die nötige Röhre als auch den Sandkasten und Holzbau Passmann die Krabbelhütte. Eisenhofer sowie Kupelka stifteten jeweils 500 Mark und die Südzucker Plattling 1 300. Insgesamt flossen somit etwa 10  300 Mark für das Projekt Kinderspielplatz „Leitenmoos“ ein. Die Finanzen waren zwar gut, aber für eine Vergabe zu niedrig und somit musste die Bürgerinitiative selbst Hand anlegen. „Eine Vergabe hätte 28 000 Mark gekostet, also blieb uns nichts anderes übrig als selbst Hand anzulegen“, merkt Werner an. Etwa 30 Personen mussten Feiertage, Wochenende und den Feierabend nutzen, um den Kinderspielplatz zu entwerfen. Bis dato vermutet Heidi Werner, dass etwa 1 800 Stunden Arbeit geleistet wurden. Doch gut vorbereitet und mit solider Baugestaltung konnte Heidi Werner am 21. Mai 1977 dem damaligen Bürgermeister Hans Krümpel den Schlüssel zur Eröffnung überreichen. Auch das Stadtoberhaupt Krümpel war bei der Eröffnung begeistert und lobte die Bürgerinitiative mit folgenden Worten: „Sie haben mein und des Stadtrats Herz aufgeschlossen.“

Jochen's Lied beschrieb:
„Die Idee wurde geboren, grad mitten im Jahr, im Sommer 76.
Die Wiese war leer und die Kinder betrogen, im Sommer 76.
Und es stand nicht gut um unsere Stadt, sie tat wenig für unsere Kinder.
Wir nahmen uns vor, einen Spielplatz zu baun über den langen Winter.
Hei uh, mit dem Hammer in der Hand, hei uh, die Schuhe voll Sand,
ich bau einen Spielplatz und ich tu was ich kann.
Wir sammeln Spenden und halten zusammen, immer fester und enger.
Einer für alle und alle für einen, wir krümmen jeden Finger.
Und es wird jetzt gebaut und vertraut mit Hammer, Holz und Sand.
Und mit Fleiß und Kraft wächst er heran, der Spielplatz für unsere Kinder!
Hei uh, mit dem Hammer in der Hand, hei uh, die Schuhe voll Sand
ich bau einen Spielplatz und ich tu was ich kann.“
(Jochen Werner)

Spielplatz Leitenmoos #1
Die Mitglieder der Initiative werkelten mit vollem Körpereinsatz
Spielplatz Leitenmoos #2
Sämtliche Geräte wurden eigenständig angefertigt
Spielplatz Leitenmoos #3
Siegfried Scholz war stets tätig