Mein Augenmerk ist die Familienfreundlichkeit

Seit 34 Jahren ist Heidi Werner (SPD) eine der wenigen Frauen im Plattlinger Stadtrat

Spielplätze oder der Jugendtreff – all dies verbindet die Stadt Plattling mit einem Namen, nämlich den von Heidi Werner. Sie ist sozusagen das Herz und die Seele der kinderfreundlichen Politik vor Ort. Dass sich der unermüdliche Einsatz seit 1973 gelohnt hat, zeigen die Zahlen des Erreichten:

16 Spielplätze, vier Kindergärten und das Jugendzentrum. Von der Gründung der SPD-Frauengruppe im Jahre 1973 bis heute als etabliertes Mitglied des Plattlinger Stadtrats – ein Rückblick über das kommunalpolitische Leben von Heidi Werner.

Schon in jungen Jahren war Heidi Werner vom politischen Geschehen fasziniert und das Interesse war groß. Doch das Parteibuch ließ auf sich warten, obwohl die SPD ihr immer nahe stand. Josef Dittmeier (Landtagsabgeordneter, Stadtrat und Ehrenbürger von Plattling) sorgte mit seiner Anfrage 1973 dafür, dass Heidi Werner sich zur Partei der Sozialdemokratie bekannte.

Dittmeier sah in Werner eine kompetente und potenzielle Frau für die Neugründung und Führung einer SPD-Frauengruppe. Dieses Angebot sorgte für Überlegungen, denn ein Amt ist immer mit Aufgaben und Verantwortung verbunden. „So etwas gab es in Plattling noch nicht, und warum komme ich zu so einer Ehre. Doch, da ich der SPD immer positiv zugestimmt war, entschloss ich mich für die Umsetzung des Angebots“, resümierte Werner. So wurde Heidi Werner von den Mitgliedern auch gleich im Wahlgang als Vorsitzende bestätigt. Mit ihrer Wahl war auch die erste Rede ihres Lebens verbunden, an die sie sich heute nur noch mit einem Schmunzelnerinnert.

Die Frauengruppe der SPD war ihr politischer Einstieg
Mit der Frauengruppe (heute Asf) begann die politische Tätigkeit von Stadträtin Werner. So wurde unter ihrer Führung ein zweiter Kindergarten gefordert. Ihre Position zum Neubau eines zweiten Kindergartens sorgte für Gesprächsstoff in der Stadt Plattling und der Pfarrei. Denn der einzige Kindergarten war unter kirchlicher Trägerschaft. „Mit meiner Aussage, dass die Kinder wie die Hühner auf der Stange sitzen, denn der Kindergarten sei überfüllt, zog ich mir eine ordentliche Rüge vom Stadtplaner ein. Denn dieser äußerte sich öffentlich nicht gerade positiv zu meiner Person“, so Heidi Werner. Nichtsdestotrotz hatte dies keine negativen Auswüchse auf die Person Heidi Werner. Mit einer Bürgerinitiative für den Spielplatzbau in Leitenmoos sorgte sie für das nötige Profil und den Bekanntheitsgrad. Zudem wurde dieser neuerrichtete Spielplatz auch zum schönsten im gesamten Landkreis Deggendorf gekürt. „Auch heute sieht man noch, dass die Initiative gefruchtet hat, denn dies war der Beginn einer kinderfreundlichen Stadt wie sich Plattling heute präsentiert“, ergänzte Werner.

Die Kandidatur für den Stadtrat ergab sich aus der Vorarbeit als selbstverständlich für Heidi Werner. Auch wurde sie auf Anhieb bei der Wahl im Jahre 1978 vom Bürger in die Pflicht gerufen. „Mein Augenmerk war von Anfang die Familienfreundlichkeit der Stadt und eigentlich habe ich alle Ziele erreicht, die ich wollte“, so Werner. Ein richtig harter politischer Kampf im Stadtrat war das Jugendzentrum. „Alles war eigentlich geregelt. Ich hatte mich durchgesetzt und die Fördergelder wurden zugesichert“, doch der Rückschlag kam, denn die Mehrheitsfraktion CSU stimmte in der entscheidenden Sitzung gegen das Projekt. „Ich war ziemlich enttäuscht, denn eigentlich war alles in trockenen Tüchern“, so Werner. Mit der Wahl von Siegfried Scholz zum ersten Bürgermeister der Stadt Plattling kam jedoch die Wende, und der längst überfällige Jugendtreff wurde gebaut.

Die einzige Frau zu sein ist ungewohnt
Als einzige Frau im Stadtrat war die Anfangszeit für Werner, wie sie selbst sagt, „ungewohnt“, aber schön. „Es hat eigentlich immer alles gepasst, denn die Herren waren früher halt Kavaliere“, merkte Werner an. So überstand sie die erste Periode als einzige weibliche Person im Stadtrat ziemlich gut. Gern erinnert sich Heidi Werner an die vergangene Zeit. „Nach dem Stadtrat ging, es immer zu Nachsitzungen und alles war sehr freundschaftlich und herzlich“, so Werner. Schade findet die Stadträtin, dass sich dies ve rändert hat. Die Freundschaften im Stadtrat hätten sich aufgelöst, alles sei distanzierter und das Herzliche fehle. Nichtsdestotrotz ist sie mit ihren Kollegen im Stadtrat zufrieden und hat keinerlei Klagen, denn lediglich vermisst sie die vergangene Zeit. Ihren Antrieb für die ehrenamtliche Arbeit schöpft Werner auch weiterhin aus ihrer Liebe zur Politik. „Politik macht Spaß, ist interessant und immer vielseitig“, erläutert die Stadträtin. Für Werner ist der Stadtrat das schönste Hobby, denn es ist hochinteressant und Veränderungen werden hautnah erlebt.

Die Zukunft von Plattling
Die Zukunft von Plattling sieht Werner in der Industrie, denn dies sei „das große Etwas“. „Wir müssen unsere Industrie hegen und pflegen, weil wir davon leben“, so Werner. Weiterhin sollte das Augenmerk auch auf die Neubaugebiete gelegt werden, denn es sei wichtig, dass so viele junge Familien wie möglich nach Plattling ziehen. Als Frau liegt ihr natürlich am Herzen, dass Plattling schöne Geschäfte vorweisen kann. „Für die Attraktivität der Stadt sind schöne Geschäfte sehr wichtig und mit dem Erwerb sowie der zukünftigen Bebauung des Stanglmeier-Geländes hat die Stadt Plattling viel für die Zukunft gewonnen“, so Werner.

(Artikel des Plattlinger Anzeiger vom 13. August 2012)