Mit Innovation gegen Fachkräftemangel

Nachhaltiges Bauen: Baustaatssekretär MdB Florian Pronold bei Redbloc–Autobahnausfahrt sehnlichst erwartet

Plattling. Reihe für Reihe werden massive Ziegel auf einem Band aufeinandergesetzt, verbunden durch eine dünne Schicht patentierten Zweikomponentenklebers. Wenige Minuten später läuft in der riesigen, schwarzen Halle von Redbloc-Elemente an der Kurt-Kerschl-Straße eine fix und fertig, millimetergenau nach den Plänen gemauerte Wand, samt Aussparungen für Fenster, Türen und Rollladenkästen vom Band.

Alles automatisiert, computergesteuert. Als parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bau und Umwelt interessierte sich der Deggendorfer MdB Florian Pronold für das in Deutschland einzigartige System. Und nein, Redbloc sei keine neue, rote, politische Gruppierung, scherzte er.

Besuch bei Redbloc
Vollautomatisiert und computergesteuert werden gemäß den Bauplänen aus handelsüblichen Ziegelsteinen die einzelnen Wände produziert. Werkleiter Christian Zitzelsberger (l.) erklärte der GruppeumStaatssekretär Florian Pronold (Mi.) den Produktionsablauf. − Foto: Hahne

„Effizient und qualitativ hochwertig“
Es gebe keinerlei Unterschiede zwischen einem konventionell gemauerten Ziegelhaus und einem aus vorgefertigten Redbloc-Elementen, erklärten Geschäftsführer Alexander Penzkofer und Werkleiter Christian Zitzelsberger bei der Führung den höchst beeindruckten Besuchern.

Als interessant auch für den mehrgeschossigen Wohnungsbau bezeichnete Pronold das System, denn es werde immer nach Möglichkeiten gesucht, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, „effizient und dennoch qualitativ hochwertig“. Pronold nannte die Vorteile des Ziegels auch in punkto Ökologie und Nachhaltigkeit. Das neuartige System sei ein Beitrag dazu, die Bauweise, „wie sie bei uns zur Kultur gehört, auch für die Zukunft fest zu machen“. Eine Innovation für die Tradition. Denn auch in Hinblick auf die Belastung der Arbeitnehmer am Bau ist die modulare Bauweise „ein nicht zu unterschätzender Aspekt“.

Alexander Penzkofer hatte erläutert, dass mit dem System auch dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden könne: Es finden sich immer weniger, die die anstrengende Arbeit am Bau auf sich nehmen wollen – und können. Das Aufstellen der vorgefertigten Komponenten aber könnten die gewerblichen Mitarbeiter auch bis zum Rentenalter ohne Probleme ausführen. Vorteile des Systems liegen nicht nur in der kurzen Bauzeit, die Wände müssen auch nicht mehr austrocknen oder ausgeheizt werden und es gibt keine Ungenauigkeiten durch Mörtel.

Im August des vergangenen Jahres nahm das Unternehmen direkt neben der Autobahn seinen Betrieb auf, seitdem sind dort bereits 70 bis 80 Häuser gebaut worden. Täglich können rund 400 Quadratmeter Wandfläche, das entspricht etwa einem Einfamilienhaus, produziert werden, rechnete Penzkofer vor. Die Häuser können „genau so schnell wie ein Fertighaus“ aufgestellt werden. Sitz der Unternehmensgruppe, die die insgesamt rund 200 Mitarbeiter hat und 40 Mio. Euro Jahresumsatz macht, ist in Regen.

Einen „Glücksfall“ für Plattling
nannte SPD-Fraktionsführer Georg Weiß die Ansiedelung des Betriebs am Grundstück an der Autobahn. Es sei schließlich der Mittelstand, der die Kommunen aufrecht erhalte, sagte er dankbar. Die großen Industriebetriebe nämlich würden immer mehr Möglichkeiten der Gesetzgebung nutzen, „um sich aus der Gewerbesteuer zu verabschieden“.

Die zentrale und vor allem verkehrsgünstige Lage Plattlings war ausschlaggebend, den neuen Betrieb in Plattling zu bauen, betonte Penzkofer. Nun aber werde schon sehnsüchtig auf die Autobahnausfahrt Plattling- Mitte gewartet: „Bei BMW in Dingolfing ging es ja auch schnell“, sagte er an Pronold und seine Bundestagskollegin Rita Hagl-Kehl gerichtet.
Langwierig gestaltet sich auch die Erteilung der gesamtbauaufsichtlichen Zulassung für das neuartige System. Sie befinde sich wohl schon in der Endphase, doch je länger es dauert, desto mehr koste es, denn es müsse bisher für jedes Haus noch eine Einzelzulassung beantragt werden. Hier sagte Pronold zu, schon nächste Woche nachfragen zu wollen.

Angeregt war die Diskussion der Gruppe, der auch die Stadträtin Bärbel Vollkommer-Würfel angehörte, über das neuartige System. Entwickelt wurde es von Markus Pichler. Er hat ein Ziegelwerk in Wels und sah seinen Absatz durch Fertighäuser schwinden. Er nutzte seine Erfahrung mit Automatisierung für die Ziegelelemente, den Durchbruch schaffte er mit der „Pickerei“: Das Klebeverfahren hatte er sich, so gab er zu, bei Audi in Ingolstadt abgeschaut: „Wenn es mit Blech geht, geht es mit Ziegel Recht hatte er. − cat