Nicht Masse, sondern Qualität

MdEP Maria Noichl sprach bei der ASF über Ernährung

Plattling. Wenn die Planung, dass in Deutschland Milch für Amerika produziert wird, umgesetzt würde, dann sollte jeder, der einen Liter Milch kauft, automatisch einen Liter Jauche dazu bekommen. Das forderte Maria Noichl, SPD-Europaabgeordnete aus Rosenheim, am Donnerstag im Preysinghof. „Denn schon heute überdüngen wir die Wiesen und Felder und versauen uns damit das Grundwasser“, sagte sie.

„Gesundes Essen – mit gutem Gewissen“ war das Thema des Vortrages, zu dem die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen im Bezirk Niederbayern (AsF) geladen hatte. Gegen die beiden geplanten Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP) sowie zwischen der EU und Kanada (CETA) formiert sich seit langem Widerstand aus den verschiedensten Richtungen.

ASF 16Apr2015
Ernährung beginnt schon beim Erzeuger: Europaabgeordnete Maria Noichl sprach bei der ASF mit (v.l).) Bezirksvorsitzender Katja Reitmeier, Inge Slowik, Bettina Blöhm,und MdB Rita Hagl-Kehl (Foto: Ladebeck)

Maria Noichl hat eine klare Meinung, die sie am Donnerstagabend mit teils sehr kräftigen Worten kund tat. Sie sei gegen diese Freihandelsabkommen und werde auch dagegen stimmen. Bereits jetzt werden jährlich 900 000 Tonnen Soja importiert, die an die Tiere in Deutschland verfüttert werden, um damit Milch- und Fleischleistung zu erhöhen. Damit werde den Menschen in den südlichen Gefilden ihre Grundlage genommen, die Bevölkerung zu ernähren, da dadurch zu wenig Ackerflächen für den Anbau lebensnotwendiger Lebensmittel zur Verfügung stünden. Andererseits würden bei uns Felder mit Mais für die Energieversorgung bebaut, was den Böden den Humus entziehe, die Felder kaputt mache. Damit dort wieder etwas wachse, werde gedüngt, was die Umwelt und das Wasser wiederum stark belaste. Die Tiere würden mit Futtermittel, in dem Soja enthalten ist, zu Höchstleistungen getrieben. Zwar muss jedes Lebensmittel das genmanipulierte Pflanzen enthält gekennzeichnet werden, dies gelte aber nicht für die Futtermittel. Hähnchen zum Beispiel wachsen in 28 Tagen zur Schlachtreife heran, haben schöne fleischige Brüste, wie der Konsument es mag. Dass sie aber nicht mehr auf den Füßen stehen können, weil das Knochengerüst mit dem Wachstum nicht mehr mitkomme, interessiert die wenigsten, so Noichl.

Umdenken und Wachrütteln
Dabei sprach sie von Perversion, die durch die wenigen großen Lebensmittelhändler, die es noch in Deutschland gibt, gefördert werde, während Tante-Emma-Laden oder Bäcker und Metzger um die Ecke kaputtgemacht würden. Diese Firmen manipulieren die Kunden, schreiben vor, was und wie sie die Lebensmittel zu kaufen haben und bestimmen die Preise. Es müsse dringend ein Umdenken und Wachrütteln der Bevölkerung stattfinden, ansonsten sei ein Super-Gau am Ernährungssektor zu befürchten, so die Referentin.
Den Menschen sollte bewusst werden, dass die Ernährung nicht an der Käsetheke oder beim Metzger stattfindet, sondern schon sehr viel früher beginnt, nämlich beim Erzeuger. So gebe es in einigen Ländern in der EU bereits heute Wasserknappheit, die Felder seien mit Schadstoffen und Pestiziden belastet. Auch müsse das Artensterben gestoppt werden, wie z.B. das der Bienen.

Gabriel ist ein schwieriger Onkel
Mit ihrer Haltung stellt sich die SPD-Politikerin gegen ihren Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel, der sich für TTIP und CETA ausspricht. „Gabriel ist ein schwieriger Onkel“, so die Politikerin, es gebe aber auch nette Onkel und Tanten, die auf der Seite der Menschen und der Umwelt stehen. Bundestagsabgeordnete Rita Hagl-Kehl schloss sich der Meinung von Maria Noichl an. Ein schnelles Umdenken sei dringend von Nöten und man müsse nicht mehr Masse, sondern mehr Qualität auf den Markt bringen. Nicht mehr der billige Preis bestimme die Lebensmittel, sondern die Regionalität.

Zur Veranstaltung hatte die Bezirksvorsitzende der AsF, Katja Reitmaier, u. an. begrüßt: Bezirksbäuerin Maria Reitmeier, MdB Rita Hagl-Kehl, Ingeborg Slowik, Ortsvorsitzende SPD Stephansposching, DGB-Kreisvorsitzenden Thomas Müller, Hildegard Apfelbeck, Biobäuerin aus Kleinweichs, deren Hof die Abgeordnete am Nachmittag besuchte, Gerlinde Saller, stellvertretende Landesvorsitzende 60plus und Bettina Blöhm vom SPD Kreisverband Freyung- Grafenau. − kle

Demeter-Hof Apfelbeck
Frischer sind Bio-Lebensmittel nicht zu bekommen: Hier am Demeter-Hof der Familie Apfelbeck in Kleinweichs, Otzing.