Plattling blüht auf, doch die Einnahmen werden dürrer

In der Monatsversammlung der Sozialdemokraten fand die Zweckvereinbarung zwischen Plattling und Stephansposching über ein gemeinsames Gewerbegebiet reges Interesse und hohe Zustimmung.

Dem verstorbenen Altkanzler Helmut Schmidt erwiesen auch die Plattlinger Genossinnen und Genossen ihren großem Respekt.

Einzigartige Konstellation
„Die einzigartige Konstellation haben wir der Ansiedlung eines neuen großen Milchwerkes der Goldsteig Molkerei zu verdanken. Beste Verkehrsanbindung und günstiger Wärmebezug aus der Abwärme des Gaskraftwerkes, das die Papierfabrik versorgt, machen den Standort zum idealsten unter den bisher drei möglichen“, stellte Fraktionsvorsitzender Georg Weiß zufrieden fest. Da das Plattlinger Industriegebiet keine größeren Betriebe mehr aufnehmen könne, sei die Zweckvereinbarung mit Stephansposching äußerst positiv für beide Seiten. Partnerschaftlich und gleichberechtigt würden die Kosten der kommunalen Erschließungsanteile und Straßenunterhaltskosten, aber ebenso auch die Einnahmen der kommunalen Steuern geteilt.

Das künftige Filetsück
Der eine und andere werde sich nun fragen, was dann wohl mit dem bisherigen Standort an der Molkereistraße geschehen werde. „Nun, die nächsten Jahre wohl nichts, da hier spezielle Käsesorten erzeugt werden, die aufgrund spezieller Bakterienkulturen nicht einfach übertagbar sind. Doch danach steht auf dem Standort nah am Bahnhof ein Filetstück städtebaulicher Entwicklung zur Verfügung“, ist Georg Weiß sicher. Die Ansiedlung des neuen Goldsteigwerkes sei nicht nur aufgrund der Arbeitsplätze von großer Bedeutung für beide Kommunen. Denn: „Diese Genossenschaft produziert nur in Deutschland, und zahlt nur hier Steuern, wogegen sich die global aktiven Unternehmen längst aus der Gewerbesteuer verabschiedet haben, weil sie die Gewinne hier mit Verlusten weltweit verrechnen können, und so keine nennenswerten Beiträge zu den Kosten der Kommunen mehr leisten.“

Noch reichen die Finanzen...
Noch könne Plattling erfreuliche Projekte wie die Neugestaltung der Mühlbachanlagen mit Aktivzonen und Beleuchtung finanziell in Angriff nehmen, und die Einrichtung des Freizeitgeländes im Nordpark 1, leitete Georg Weiß zu den weiteren Veränderungen über. Dem Neubau der T-Con in der Nachbarschaft folge wohl bald ein zweiter und dritter, dann die wieder auf Kosten der Stadt zu finanzierenden Aufgabe der Nutzung der beiden denkmalgeschützte ehemaligen Betriebsgebäude der Bahn, und die Wegeführung entlang der Bereiche, einschließlich des der künftigen Schulen des Landkreises, die Berufsfachschule für Musik und die Fachakademie für Sozialpädagogik. Auch wenn der Bau des Daches und die Gestaltung des Magdalenenplatzes teurer werde als geplant, seien die aktuellen Investitionen finanziell gesichert.

...doch die guten Zeiten sind bald vorbei
„Noch jammern wir auf hohem Niveau, doch nächstes Jahr zwingt eine hohe Kreisumlage zur hohen Entnahme aus den Rücklagen, und die in den nächsten Jahren zu erwartende anhaltend schwache Steuereinahmen lassen befürchten, dass die guten Zeiten für Plattling vorbei sind. „Umso verwerflicher ist es, dass der Firma Zizler die Ansiedlung in Plattling mit allen Mitteln verweigert wird.“ Weiß hoffte deshalb, dass die Sitzung des Regionalplanungsverbandes am nächsten Tag dem Antrag des vorangegangenen Stadtrates entsprechen wird, und den verzichtbaren Grünstreifen aus der Planung nimmt“. Was tags darauf dann tatsächlich der Fall war, nur Plattlings erster Bürgermeister Erich Schmid stimmte als einziger gegen die Streichung des vom Planungsverband als zu schmal erachteten Grünzuges.

Weniger dreckig als nach der Wiesn
Auf Nachfrage des Ortsvereinsvorsitzenden Herbert Petrilak-Weissfeld berichtete Martin Boot aus seiner Funktion als Fahrdienstleiter über die Situation am Passauer Bahnhof. Er begann mit dem nächtlichen Auftauchen der Schleuser ab etwa Juni, und den ersten Gruppen erschöpfter Flüchtlinge am Bahnhof. Als dann ab August der große Andrang herrschte, seien es weniger die Flüchtlinge, als die zunächst rigiden Maßnahmen der Bundespolizei gegenüber dem normalen Reiseverkehr im Bahnhof gewesen, die zu den größten Problemen führten, zumal zeitgleich Baumaßnahmen stattfinden. Zum Glück haben sich die Vorgesetzten von Bahn und Polizei zusammengesetzt und vernünftigere Regelungen vereinbart. Auf weitere Nachfrage bestätigte Boot, dass ausnahmslos alle Flüchtlinge aus den Zügen geholt und registriert würden, und dass natürlich starke Verunreinigungen durch den Müll der vielen Menschen entstehen, da leider keine ausreichende Zahl von entsprechend großen Abfallbehältern aufgestellt werden könne. Doch zumindest würden die Züge nicht mit Erbrochenen und Notdurft verschmutzt, wie es bei den Zügen von der Münchener Wiesen oft der Fall sei.

Ehrendes Gedenken an Altkanzler Schmidt
Da seit dem Ableben von Helmut Schmidt noch keine Gelegenheit dazu war, holten die Sozialdemokraten Ehrung und Gedenken des stets hoch geachteten Alt-Bundeskanzlers nach. Georg Weiß, der das Wirken Helmut Schmidts von Anfang bis zum Ende seiner Ämter verfolgen konnte, würdigte vor allem seine Tatkraft in Katastrophen und Krisenzeiten, und der durch seine Geradlinigkeit und Disziplin eine moralische Instanz mit hoher internationaler Reputation als Staatsmann wurde. „Es ist ein Leiden unserer Zeit, dass jahrzehntelanger Wohlstand diese Tatkraft zum Verschwinden brachte. Abwarten auf Mehrheitsstimmungen, Schielen auf Umfragewerte und situatives Taktieren, das kennzeichnet die heutigen Spitzenpolitiker,“ merkte Petrilak-Weissfeld zum Schluss an.

Bild: "So bleibt Helmut Schmidt in Erinnerung: Voller Konzentration, und mit der ewigen Zigarette"

(Quelle: Helmut Schmidt BundesarchivB145Bild-F048646-0033,Dortmund,_SPD-Parteitag 1976)