SPD in Niederbayern bündelt ihre Kräfte

P l a t t l i n g . Die niederbayerische SPD hat am Samstag in Plattling gewählt: Für die Bundestagswahl 2013 schicken die Sozialdemokraten als Spitzenkandidat wieder Florian Pronold auf Platz eins mit 85,7 Prozent der Delegierten-Stimmen ins Rennen – immerhin zehn Prozentpunkte weniger als noch vor vier Jahren. Gemeinsam mit Christian Flisek und Harald Unfried für die Männerliste sowie Rita Hagl-Kehl und Johanna Uekermann für die Frauenliste wird Pronold am 8. Dezember in Dingolfing um die begehrten Landeslistenplätze kämpfen.
Da bereits vor vier Jahren eine Verjüngung der niederbayerischen Kandidatenriege stattgefunden hatte, gab es beim Bezirksparteitag keine Überraschungen.

Bezirks-BT-Nominierungs-Parteitag 2012
Die niederbayerische SPD schickt diese Kandidaten ins Rennen: Christian Flisek (2.v.l), Florian Pronold (3.v.l.), Rita Hagl-Kehl (Mitte), Harald Unfried (4.v.r.) und Johanna Uekermann (2.v.r). Mit im Bild MdL Johanna Werner-Muggendorfer (r.), MdL Bernhard Roos (3.v.r) und Bernd Vilsmeier, Pressesprecher der SPD Niederbayern. (Foto: res)

Auf ihren Shootingstar Michael Adam musste die niederbayerische SPD am Samstag im Landkreis Deggendorf verzichten; er ließ sich wegen Krankheit entschuldigen. Doch auch ohne den Bezirksvorsitzenden war es richtig eng im Versammlungsraum – alle 67 Delegierten der sieben Bezirke waren gekommen.
„Dass tatsächlich alle Delegierten da sind, zeigt, dass wir es ernst nehmen mit dem Regieren im nächsten Jahr. Denn dafür brauchen wir Geschlossenheit“, begrüßte die Landtagsabgeordnete Johanna Werner-Muggendorfer und übergab das Wort schließlich an MdB Florian Pronold, der zum Thema „Gerechtigkeit geht anders“ referierte.

Wahlkampf wird ein „Höllenritt“
Dabei nahm sich Pronold vor allem die CSU zur Brust und stellte fest, dass die CSU immer kurz vor Wahlen dieselbe Meinung wie die SPD habe. „Der Donauausbau – wir sind schon immer dagegen. Und kurz vor der Wahl ist die CSU dann auch dagegen“, sagte Pronold. Als weitere Beispiele zählte er die Energiewende, das Büchergeld, das achtstufige Gymnasium und die Studiengebühren auf. „Wenn die CSU-Mitglieder meinen, Bayern gehöre ihnen, dann werden wir ihnen 2013 mal zeigen, dass das nicht so ist.“ Für die Wahlen im nächsten Jahr stellte er fest, dass die Chancen noch nie so gut für die SPD gewesen seien. „Natürlich werden die nächsten Monate ein Höllenritt, aber wir müssen ab morgen unsere Kräfte bündeln. Ganz nach dem Motto: Nötiger denn je, SPD“, schloss Pronold seine Kampfansage und stimmte die Genossen auf einen harten Wahlkampf ein.

Florian Pronold bekommt statt 95 nur noch 85 Prozent
Mit einem leicht veränderten Team will die niederbayerische SPD in den Kampf um Wählerstimmen ziehen. Florian Pronold führt die Männerliste wieder an. 85,7 Prozent der Delegierten gaben ihm dafür ihre Stimme. 2008 waren es noch gut zehn Prozentpunkte mehr für Pronold. Außerdem wird der 39-Jährige als Spitzenkandidat um die Landeslistenplätze der Bayern-SPD kämpfen.

Neu ist Christian Flisek, Zweiter auf der Männerliste. Der 38-jährige Jurist ist als Student nach Passau gekommen und dort geblieben. Seit 2011 ist er stellvertretender Vorsitzender der niederbayerischen SPD. Mit 89,5 Prozent der Stimmen wählten ihn die Delegierten auf Platz zwei der Männerliste. Für den Wahlkreis Passau tritt er die Nachfolge von Jella Teuchner an, die es 2009 überraschenderweise nicht mehr in den Bundestag geschafft hatte.

Auf Platz drei weilt ein bekanntes Gesicht: Harald Unfried, Wahlkreis Landshut-Kelheim. Der 48-jährige Verwaltungsfachwirt der Deutschen Rentenversicherung begeisterte die Zuhörer in seiner Vorstellungsrede zum Thema soziale Ungerechtigkeit in Deutschland, was ihm lang anhaltenden Applaus und Platz drei der Männerliste mit 96,7 Prozent der Stimmen einbrachte.

Die Frauenliste führt die Studienrätin Rita Hagl-Kehl, Wahlkreis Deggendorf/Freyung-Grafenau, vor Johanna Uekermann, Wahlkreis Straubing-Bogen/Regen, an. Obwohl beide Damen den ersten Listenplatz für sich beanspruchten, setzte sich mit 38 zu 26 Stimmen doch die erfahrenere Hagl-Kehl durch. Sie steht vor allem für die klassischen sozialdemokratischen Werte und will für die Rechte des kleinen Mannes kämpfen, da sie selbst im Armenhaus Bayerns aufgewachsen sei, wie sie den Landkreis Freyung-Grafenau bezeichnet.

Platz zwei der Frauenliste ging mit 80 Prozent der Delegiertenstimmen an ein SPD-Küken: Die 25-jährige Studentin Johanna Uekermann will vor allem für die Rechte und Nöte ihrer Generation kämpfen. Skeptikern nahm Uekermann bei ihrer Vorstellung gleich den Wind aus den Segeln: „Ich weiß, dass über mich getuschelt wird, weil ich noch sehr jung bin.“ Dafür wolle sie hart arbeiten und für die Belange der SPD eintreten.

Landeslistenplätze am 8. Dezember vergeben
Wie schon seit einigen Legislaturperioden führte die SPD auch dieses Mal wieder eine Männer- und eine Frauenliste. Bei der Aufstellung der Landesliste in Dingolfing am 8. Dezember, werden die Männer- und die Frauenliste zusammengeführt. Dann wird sich zeigen, welcher niederbayerische Kandidat eine reelle Chance auf ein Bundestagsmandat hat. 2009 schaffte es aus fünf Kandidaten nur Florian Pronold in den Bundestag, 2005 waren es noch die ersten drei Kandidaten. -res

(Plattlinger Anzeiger vom 19.11.2012)