SPD plädiert für eine Variante der Gemeinschaftsschule

Gemeinsamer Unterricht bis zur 8. oder 9. Klasse als Mittel, um Schulstandorte zu erhalten

Plattling. Für die niederbayerische SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung (kurz AfB) ist klar: Viele Politiker und Eltern sind mit den Entwicklungen des Schulstandards unzufrieden. Die demografische Entwicklung lässt die Schülerzahlen mehr und mehr sinken, immer mehr Eltern drängen ihre Kinder zu Gymnasien oder Realschulen. Grund genug, am Donnerstagabend im Preysinghof für die Landräte, Bürgermeister und Gemeinderäte Niederbayerns zu einer Infoveranstaltung einzuladen.

Herbert Lohmeyer, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, konnte daher viele Bürgermeister und Gemeinderäte, SPD-Ortsverbandsvorsitzende sowie Plattlings zweiten Bürgermeister Roman Fischer und die Stadträte Georg Weiß, Reinhold Gems und Bärbel Vollkommer-Würfel begrüßen.

MdL Roos: Arbeit der Staatsregierung hat Schlagseite

163 Schulen in Bayern, davon 7 allein in Niederbayern, sollen in den nächsten Jahren geschlossen werden, berichtete die Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Marion Winter. Sie riet betroffenen Bürgermeistern, mehr junge Familien in die Gemeinde zu locken, um damit die Schülerzahl zu erhöhen. Von der Regierungserklärung des Heimatministers Markus Söder berichtete MdL Bernhard Roos, der von einem „Alleingang“ von Söder beim Breitbandausbau sprach. Sowohl die Energiepolitik (zum Beispiel durch die Abstandsregeln für Windräder) als auch die Arbeit von Bildungsminister Ludwig Spänle hätten zur Zeit Schlagseite.

AFB-Konferenz in Plattling

Bildung der Eltern entscheidet

Über die derzeitige Lage der Schulen in Bayern, speziell derer in Niederbayern, berichtete Ministerialrat a.D. Gerd Möller. Er kommt aus Nordrhein-Westfalen und arbeitete auch bei der Pisa-Studie mit. Er berichtete von den gut funktionierenden Schulsystemen außerhalb Bayern, wo das dreistufige Modell nach wie vor präferiert werde. Möller wies erneut darauf hin, dass die Wahl der Schule oft auch vom Bildungsstand der Eltern abhänge. So stammen derzeit 85 Prozent der Schüler auf weiterbildende Schulen aus akademischen Haushalten.

Der demografischen Wandel und die Folgen

Schuld am Schulsterben sei, so SPD-MdL Martin Güll, der den Ausschuss für Bildung und Kultus im Landtag leitet, der demografische Wandel. So würde zum Beispiel die Zahl der Kinder im Landkreis Deggendorf bis 2032 um 14,9 Prozent sinken, in Regen sogar um 23,8 Prozent. Dies führe letztlich dazu, dass die kleinen Schulen kaputt gehen und die großen immer noch größer würden, die Kinder immer länger im Schulbus seien und auch der Leistungsdruck für die Viertklässler noch höher werde, damit sie den Übertritt in Realschule oder Gymnasium bewältigen. Bereits jetzt sei es schon mit großen Schwierigkeiten verbunden, die Mittelschulstandorte zu halten.

Die Schlussfolgerung daraus: Das bayerische Schulsystem ist nicht für alle Zeit festgeschrieben ist, meinte MdL Martin Güll. Aus diesem Grund habe die SPD-Landesfraktion eine Variante der Gemeinschaftsschule entwickelt. In dieser Schule seien alle unter einem Dach und sie würden von den Lehrkräften der verschiedensten Schulsystemen unterrichtet. Damit könne jeder einzelne Schüler je nach Begabung und Können gefördert werden. Ab dem 8. oder 9. Schuljahr könnten sich die Schüler entscheiden, ob sie eine weiterbildende Schule besuchen oder ob sie einer Berufsausbildung aufnehmen wollen. Derzeit hätten sich bereits einige Schulen in Bayern für dieses System entschieden, so in Denkendorf, Donaustauf oder Buch bei Landshut.

Leere Schulen rauben Gemeinden die Seele

Bei der anschließenden Diskussion wurde immer wieder festgestellt, dass es den Kindern fast nicht mehr zuzumuten ist, in den ländlichen Gegenden fast zwei Stunden im Bus zu sitzen, um zur Schule zu kommen. Besonders viel Applaus bekam der zweite Bürgermeister von Schaufling, Richard Anzenberger, der Staatssekretär Bernd Sibler als „Schulaufhaxer“ (Kaputtmacher) bezeichnete. Sibler würde gezielt jede kleine Schule kaputt machen. Neu renovierte Schulen wie etwa in Schaufling oder Lalling würden leer stehen und den Kommunen würde die Seele geraubt. − kle

(PNP, 28.11.2014)