Stadt will sozialen Wohnungsbau forcieren

Zwölf städtische Wohnungen gibt es derzeit im Gebäude an der Reiterstraße. Die Stadt will untersuchen, ob sich die Wohnanlage auf dem Gartengrundstück erweitern lässt. − Fotos: Hahne

Plattling (Hahne).
Keine Überzeugungsarbeit mehr leisten musste Herbert Petrilak-Weissfeld am Montagabend im Stadtrat: Der Antrag der SPD-Fraktion zur Reaktivierung des sozialen Wohnungsbau fand volle Unterstützung. Alle waren sich einig, dass die Notwendigkeit dafür besteht und dies "der richtige Weg" ist, wie auch Bürgermeister Erich Schmid den Antrag befürwortete.

Die Verwaltung wird sich nun Gedanken machen und Vorschläge erarbeiten. Es fügt sich, dass durch die Mitgliedschaft in der ILE-Region Donau-Isar (Arbeitsgemeinschaft zur integrierten ländlichen Entwicklung) ein sogenannter datenbankgestützter Vitalitäts-Check 2.0 möglich ist. Um in den Genuss der vollen 100 Prozent Fördersumme zu kommen hat sich die Stadt dafür auch schon angemeldet. Es handelt sich dabei um Analyseinstrument, in dem zum Beispiel alle Leerstände, zur Verfügung stehenden Grundstücke, Baulücken und Bebauungsmöglichkeiten erfasst und somit die Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt werden.

Bezahlbarer Wohnraum ist ein Grundrecht
Ein Grundrecht und Kernaufgabe "Für Geringverdiener absolut notwendig" unterstrich Vorsitzender Georg Weiß den Antrag seines Fraktionskollegen. Dem ist es wichtig, sich auf diese "Kernaufgabe" zu besinnen: "Bezahlbarer Wohnraum ist ein Grundrecht". Plattling wächst durch Zuzüge, die Nachfrage nach (finanziell erschwinglichem) Wohnraum ist groß, das Immobilienangebot aber klein. Die Vorbereitungen sind notwendig, um "in den Startlöchern zu stehen, wenn es die Förderungen gibt" (bis zu 300 Euro pro Quadratmeter) gibt, um dann sozial Schwachen, Rentnern, Geringverdienern oder jungen Familien gerecht zu werden. "Nicht nur planen, sondern konkret werden", sagte Petrilak-Weissfeld.

Die Zielsetzungen
Was die Stadt mit dem sozialen Wohnungsbau nicht will, ist eine "Getto-Bildung", Petrilak-Weissfeld denkt daher etwa an zwei Wohnblöcke zu je zehn Einheiten − an unterschiedlichen Standorten. Mögliche Grundstücke hat der Bürgermeister schon im Auge – "nicht alle sind für den Geschosswohnungsbau geeignet", gab er zu bedenken. Man will aber auch den Bestand nicht vergessen, um nicht nur sozial schwachen, sondern etwa auch jungen Familien oder alleinstehenden bezahlbare und zeitgemäße Wohnungen anbieten zu können: Derzeit gibt es über 40 städtischen Wohnungen, deren Sozialbindung längst ausgelaufen ist. Es werde nun auch darüber nachgedacht, diese Wohnungen zu sanieren, da es dafür auch Zuschüsse gebe. Doch müssen hier noch der wirtschaftliche Aspekt und die Förderbedingungen ausgelotet werden. Auch über eine "Verdichtung" auf geeigneten Grundstücken im Umfeld der städtischen Gebäude, wie etwa an der Reiterstraße, werde nachgedacht.

Höchster Fördersatz für Kommunen
Finanzierung und die Förderungen können auch den Ausschlag geben, wer baut: Karl-Heinz Astner (FW), der den Vorschlag als "ehrenwert" bezeichnete, sprach sich dagegen aus, dass die Stadt als Bauträger für den sozialen Wohnungsbau auftritt. Dem wiederum spricht entgegen, dass gerade die Kommunen die hohe, bzw. höchste Förderquote von 30 Prozent erhalten. Dennoch will die Stadt Kontakt aufnehmen mit der Baugenossenschaft und der Deutschen Annington und eventuell auch Grundstücke anbieten. "Der Bedarf ist da und wird steigen", sagte Staatssekretär Bernd Sibler, der auch Hoffnung auf mögliche neue Förderaspekte des Bundes und das Programm der Bayerischen Staatsregierung setzt. Bei entsprechender Förderkulisse könnte sozialer Wohnungsbau auch für Private interessant werden. Momentan jedenfalls scheinen die aufliegenden Förderungen noch keinen erhöhten Anreiz zu schaffen. Und so werden von der Verwaltung drei Möglichkeiten gesehen, den sozialen Wohnungsbau in Plattling voranzutreiben:

ein eigenes kommunales Förderprogramm für Private

Neubau bzw. Erweiterungsbauten von Mietwohnungen für sozial Schwache in Eigenverantwortung

Zusammenarbeit mit anderen Wohnungsbaugesellschaften, um diese zum sozialen Wohnungsbau zu animieren.

(Zwölf städtische Wohnungen gibt es derzeit im Gebäude an der Reiterstraße. Die Stadt will untersuchen, ob sich die Wohnanlage auf dem Gartengrundstück erweitern lässt. − Foto: Hahne)

PNP 13.04.2016