Verliert Plattling seine Eigenwasserversorgung?

Wird uns der eigene Hahn abgedreht? (Bild: HPW)

Ein hochaktuelles Thema beunruhigte die Teilnehmer der SPD Monatsversammlung am vergangenen Dienstag. Die Genehmigung zur Entnahme des Tertiär-Tiefenwassers lief zum Ende des letzten Jahres aus, und auch zur Entnahme des höher liegenden Quartärwassers endet in die Genehmigung, im Jahr 2016. Schon in 2013 hatte die Stadt deshalb Antrag auf Verlängerung gestellt, doch noch wurde im Bayrischen Umweltministerium darüber nicht entschieden. (Bild: HPW)

Da ist was im Busch
Fraktionsführer Georg Weiss berichtete über ein als zunächst als „privat“ deklariertes Treffen des ersten Bürgermeisters Erich Schmid mit der Umweltministerin Ulrike Scharf, bei dem der Stadtwerkeleiter Kopp und der örtliche Landtagsabgeordnete und Staatssekretär Bernhard Sibler teilgenommen hatten. „Mir ist es unverständlich, warum in dieser für Plattling so wichtigen Sache nicht alle Fraktionen an diesem Termin im Umweltministerium teilnehmen durften, daher befürchte ich, es könnte etwas Ernstes im Busch sein.“ Der Wasserzweckverband Bayrischer Wald (WBW) investiert gegenwärtig einige Millionen in den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes in Moos. In Verbindung mit gesenkten Grenzwerten für Nitrat im Leitungswasser sei es vorstellbar, dass Plattling seine eigenständige Trinkwasserversorgung verlieren, und zur Umsatzsteigerung an den Wasserzweckverband angeschlossen werden solle.

Die lange Genehmigungsdauer und das seltsame Vorgehen des ersten Bürgermeisters lassen dem erfahrenen Fraktionsführer Georg Weiss keine Ruhe: „Wir haben bereits selber viele Millionen in die Ertüchtigung unserer Wasserversorgung investiert, und bieten unseren Bürgern dennoch den niedrigsten Wasserpreis weit und breit. Wir werden es deshalb nicht einfach zulassen, dass uns womöglich der eigene Hahn abgedreht wird.“ Insbesondere vermisst Georg Weiss die notwendige Unterstützung von Landrat Christian Bernreiter. Der Kreisrat sieht ernste Interessenskonflikte zwischen dem Amt des Landrates einerseits, und dem Amt als Vorsitzender des Wasserzweckverbandes andererseits.

Billiger ohne überflüssiges Marketing
Stadtrat und Ortsvereinsvorsitzender Herbert Petrilak-Weissfeld merkte dazu an: „Das vom Zweckverband uns zur Verfügung gestellte Fernwasser hat mit dem Begriff Waldwasser als Qualitätskennzeichen nichts zu tun. Doch schöne Markennamen verkaufen sich nun mal besser als technisch korrekte Begriffe“. Genauso verhalte es sich mit den kommunalen ILE-Arbeitsgemeinschaften (ILE: Integrierte Ländliche Entwicklung), die nun landauf landab gegründet werden. „Es ist doch weit transparenter und ehrlicher und zweifellos kostensparender, wenn aufgrund verbesserter Steuereinnahmen die Sätze von Zuschüssen an die Kommunen ohne unnötige Etiketten und ansteigendes Papiergeraschel aus vermehrter Anforderung von Gutachten erhöht werden. Plattling hatte nie Probleme sich bei Bedarf mit seinen Nachbargemeinden zu verständigen. Deshalb habe ich aus Prinzip gegen den Beitritt zur ILE Donau-Isar gestimmt“.

Sorge um die Belegschaften zerstreut
Nächstes Thema war der Bau des neuen Logistikzentrums bei Wallersdorf, wo bis zu 2000 neue Stellen entstehen sollen. Stefan Schillinger-Meyer zeigte sich als Leiter des Versandlagers bei Zitec besorgt, dass die Plattlinger Unternehmen sich nicht vor Kündigungen ihrer Arbeitskräfte schützen könnten, da sie nicht die Gehälter zahlen könnten wie es bei BMW möglich sei. „Da muss sich keiner Sorgen machen“, beruhigte Georg Weiss, „nicht die BMW, sondern per Vertrag beauftragte externe Logistikunternehmen betreiben das neue Zentrallager. Die bezahlen ihre Angestellten nicht nach BMW-Haustarif, und sicher auch keine nennenswerte Gewerbesteuer, darum haben wir uns als Stadt nicht um die Ansiedlung beworben.“ Er rechne aber damit, dass Plattling indirekt durch verstärktes Verkehrsaufkommen auf der A92 und im Industriegebiet betroffen sein könnte.

Themaverfehlung befürchtet
Auch das letzte Thema der Versammlung wurde ausgiebig diskutiert – der bald stattfindende Wirtschaftsempfang der Stadt Plattling. „Ich bin es langsam leid, dass der auf die Heimatwirtschaft ausgerichtete Empfang immer mehr zur Bühne der CSU-Prominenz wird. Der Freiherr zu Guttenberg war hier um seine Wirtschaftspolitik zu erklären, und jetzt kommt die Ilse Aigner und will uns womöglich ihre Energiepolitik erklären. Der Empfang ist aber dafür gedacht, dass regionale Repräsentanten der Wirtschaft unseren Geschäftsleuten Anregungen geben und Kontakte knüpfen können. Ich werde mir noch sehr überlegen, ob ich hingehe.“