Weihnachtsfeier in politisch angespannter Zeit

Tischgespräche

Plattling. (hk) Die unbeschwerte Heiterkeit früherer Weihnachtsfeiern bei der Plattlinger SPD war am Samstagabend im Hotel Liebl nicht mehr zu spüren. Auch wenn alles wie immer im festlichen Rahmen ablief, mit Musik und gutem Essen, mit Ehrungen und Reden des Ortsvorsitzenden und eines Ehrengastes, es war doch anders wie früher. Darüber konnten auch die anheimelnden Lieder von Walter Molz auf der Quetsch‘n nicht hinwegtäuschen.

Das Ohr am Puls der Zeit
Ortsvorsitzender Herbert Petrilak-Weissfeld sprach bereits bei der Begrüßung der Mitglieder und Stadtratskollegen mit Georg Weiß an der Spitze von unruhigen Zeiten und dass es die so genannte „staade Zeit“ auch früher schon nur für die Landwirte, aber nicht für die Wirtschaft insgesamt gegeben habe. Seine besonderen Grüße galten der Stadträtin Bärbel Vollkommer-Würfel, Stadtrat Reinhold Gems und Gisela Scholz, der Witwe von Siegfried Scholz, des unvergessenen Bürgermeisters der Isarstadt. Vollkommer-Würfel bezeichnete Petrilak-Weissfeld als einen Gewinn für den Stadtrat, wenn es gelte etwas voranzubringen und Reinhold Gems als einen Mann, der noch mit Schichtarbeit den klassischen Arbeiter verkörpere und der sich trotz seiner Schichtarbeit aktiv als Stadtrat einsetzt und sich auch für diesen Abend frei gemacht habe. Die Grußwortrednerin MdB Rita Hagl-Kehl kündigte der Ortsvorsitzende als eine Frau an, die immer das Ohr am Puls der Zeit habe.

Den richtigen Ton finden
Der Pulsschlag der Zeit schlug natürlich nicht weihnachtlich, sondern realpolitisch. Und darauf ging die Abgeordnete auch sofort ein, indem sie vom Wahlergebnis sagte, dass das nicht das war, was man sich erwartet hatte. „Der einzige, der das alles vorausgesagt hatte, was wir jetzt haben, war Georg Weiß”, so Hagl-Kehl anerkennend im Rückblick. „Das Ergebnis war natürlich für uns alle erschütternd”, klagte sie und fuhr fort: „Jetzt haben wir Leute im Bundestag mit einem ganz anderen Umgangston und einem entsprechenden Auftreten. So scharf, wie da jetzt geschossen wird, muss man selber erst den richtigen Ton finden.” Hagl-Kehl sagte der Festgesellschaft auch, dass sie nie an einen Abbruch der Jamaika-Gespräche geglaubt habe, weil die Grünen schon dabei gewesen wären, selbst ihre Großmutter zu verkaufen, um in die Regierung zu kommen. „Die hatten sich dafür schon fast selbst aufgegeben”, analysierte der Ehrengast das politische Geschehen der letzten Tage in Berlin. Sie stellte im Anschluss dar, dass der Deutsche Bundestag noch nie in einer Situation wie der jetzigen gewesen sei. Hagl-Kehl sieht die Gefahr, dass bei Neuwahlen die AfD gar 20 bis 30 Prozent erreichen könnte, weil man den Wählerwillen nicht akzeptiert habe. „Wir können auch nicht so lange wählen lassen, bis es uns passt.”

In diesem Zusammenhang schilderte Hagl-Kehl die Erlebnisse des verstorbenen Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer, der in seinem Buch beschrieben habe: „Vor zehn Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass Leute von der AfD hier oder ein Trump in Amerika irgendwelche Macht hätten erlangen können“. Für sich selbst erklärte Hagl-Kehl, dass sie Neuwahlen ablehne und bereit sei, auch eine Minderheitsregierung der Kanzlerin Merkel zu tolerieren, die aber SPD-Forderungen wie zum Beispiel eine Rentenreform in Richtung Bürgerversicherung unter Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze und der Gleichbehandlung aller am Wirtschaftsleben Beteiligter berücksichtigen müsste. Auch dürfe es keine Zweiklassenbehandlung im Krankheitsfall durch Bevorzugung von Privatversicherten geben.

Erschreckender Populismus
Dass Minderheitenregierungen praktikabel seien, zeige für MdB Hagl-Kehl die politischen Verhältnisse in Dänemark und Schweden. Über das weitere Vorgehen müsse die Parteibasis entscheiden. „Sollte die Basis sich jedoch für Neuwahlen entscheiden, dann bin ich mir sicher, dass wir ein bis zwei Prozent der Wählerschaft verlieren, weil es nur einen Gewinner gibt und das ist die AfD.” Ein neues 1933 wolle sie nicht mehr erleben, auch wenn die Bevölkerung damals nicht mehrheitlich die NSDAP gewählt habe. Hagl-Kehl abschließend zur politisch misslichen Lage: „Dass der Populismus wieder siegt ist das, was mich erschreckt. Wir wissen, wie der Landkreis Deggendorf gewählt hat. Es ist für mich nicht nachvollziehbar.”

Ehrungen 2017

Ehrung der Lebendenden und der Verstorbenen
Zum Schluss wurden die Ehrungen durchgeführt. Für zehn Jahre SPD-Mitgliedschaft bekam Reinhold Gems eine Urkunde und für 40 Jahre Elke Gärtner-Mollien. Als Neuaufnahme in die SPD-Familie wurde Ulrike Sommer begrüßt. Auch vier Verstorbener wurde in ehrend Weise gedacht: Mariele Ottl, Gertrud Kuhnke, Claudia Knispel und Emmy Zißler.

Besinnliche Tischgespräche in angespannter Zeit
Besinnliche Tischgespräche in angespannter Zeit (Bilder: Bärbel Vollkommer-Würfl)